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Studie

Erfolgsfaktoren im modernen Ausdauersport

Von Carlos Lang

Diese Studie untersucht die Perspektiven von 78 Weltklasse-Trainern aus 14 Ausdauersportarten. Im Fokus stehen zentrale Entwicklungen des Ausdauertrainings und der Leistungssteigerung in den vergangenen 10–15 Jahren sowie zukünftige Trends. Die Trainer repräsentierten 18 Nationen und betreuten Athletinnen und Athleten mit Medaillenerfolgen bei internationalen Meisterschaften. Mithilfe eines offenen Online-Fragebogens wurden aktuelle Trends sowie zu erwartete Entwicklungen abgefragt. Die Analyse identifizierte acht zentrale Themen: (1) individualisierte und sportspezifische Trainingsstrategien, (2) Präzision in der Trainingsdurchführung, (3) systematisches Belastungsmanagement, (4) strategischer Einsatz von Umweltstressoren, (5) optimierte Ernährungsstrategien, (6) ganzheitliche Regenerationspraktiken, (7) Gesundheits- und Verletzungsprävention sowie (8) ausrüstungs- und technologiegetriebene Innovation.
Insgesamt verdeutlichen die Aussagen der Trainer, dass moderne Ausdauerleistung auf einem integrierten Zusammenspiel aus Trainingsmethodik, Gesundheitsmanagement und technologischer Unterstützung beruht.

Zentrale Entwicklungen und Trends aus Trainersicht

  • Abkehr von standardisierten Trainingsmodellen zugunsten hochgradig individualisierter und sportspezifischer Trainingsstrategien
  • Belastungsmanagement als dynamischer, datenbasierter Steuerungsprozess und nicht als statisches Planungsinstrument
  •  Regeneration, Ernährung und Gesundheitsmanagement als integraler Bestandteil der Trainingssteuerung
  • Technologie als zentrales Hilfsmittel zur Unterstützung von Präzision, Individualisierung und Monitoring
  • Nachhaltige Leistungsentwicklung erfordert adaptive, phasen- und situationsabhängige Integration aller Teilkomponenten

Einleitung

Der Leistungssport hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, die sich insbesondere in der kontinuierlichen Steigerung der Ausdauerleistung und dem Bruch zahlreicher Weltrekorde widerspiegeln. Verbesserter Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, technologische Innovationen sowie eine engere Verzahnung von Forschung und Praxis haben das Training und die Wettkampfvorbereitung maßgeblich verändert. Diese Entwicklungen führten unter anderem zu einem besseren Verständnis sportartspezifischer Anforderungen, höheren und gezielteren Trainingsbelastungen sowie einer gesteigerten Trainingsqualität [6].

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen spielen vor allem die Trainer eine zentrale Rolle in der Leistungsentwicklung. Sie verbinden neues Wissen mit praktischer Erfahrung und setzen innovative Trainingsprinzipien gezielt in der Praxis um [2]. Trotz ihrer Bedeutung sind ihre Perspektiven bislang nur begrenzt untersucht. Ziel der Forscher war es daher in dieser Studie zentrale Entwicklungen und zukünftige Trends im Ausdauertraining aus der Sicht erfahrener Spitzentrainer zu analysieren.

 

Methoden

Die Studie nutzte ein qualitatives, querschnittliches Studiendesign. Über einen offenen Online-Fragebogen wurden Trainer befragt, die mindestens einen Athleten mit Medaillenerfolgen bei internationalen Meisterschaften betreut hatten. Insgesamt wurden 78 vollständig ausgefüllte Datensätze in die Analyse einbezogen. Die Auswertung erfolgte mittels, eines etablierten Verfahrens zur systematischen Identifikation wiederkehrender Muster in qualitativen Datensätzen. Ziel der Analyse war es, zentrale Themenfelder zu identifizieren, die die Entwicklung des modernen Ausdauertrainings aus Trainersicht widerspiegeln.

 

Ergebnisse und Diskusion

Die qualitative Analyse identifizierte acht zentrale Themen, die drei übergeordneten Kategorien zugeordnet wurden: (1)Trainingsmethodik, (2)Regenerations- und Gesundheitsmanagement sowie (3)technologische Innovation.

Zusammen verdeutlichen diese Kategorien, dass Leistungsoptimierung im modernen Ausdauertraining zunehmend als komplexer, multifaktorieller Prozess verstanden wird, der weit über klassische Trainingssteuerung hinausgeht. Statt einzelner dominanter Trainingsprinzipien zeigt sich ein integrierter Ansatz, bei dem die genannten Kategorien eng miteinander verzahnt sind und gemeinsam zur Leistungsentwicklung beitragen.

Trainingsmethodik

Innerhalb dieser Kategorie wurden vier Themen identifiziert. Die Trainer betonten eine zunehmende Individualisierung und Sportspezifik der Trainingsstrategien (Thema 1), wobei Trainingsinhalte stärker an die physiologischen Profile, die Belastungshistorie und die leistungsrelevanten Anforderungen einzelner Athleten angepasst werden. Ergänzend wurde eine höhere Präzision in der Trainingsdurchführung hervorgehoben (Thema 2), die durch verbesserte Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten im Trainingsalltag unterstützt wird. Darüber hinaus nannten die Trainer ein zunehmend systematisches Belastungsmanagement als zentrale Voraussetzung für nachhaltige Leistungsentwicklung (Thema 3). Schließlich wurde der strategische Einsatz von Umweltstressoren, insbesondere Höhe und Hitze, als gezielter zusätzlicher Trainingsreiz beschrieben (Thema 4).

In der Gesamtschau verdeutlichen diese Themen eine klare Entwicklung hin zu stärker individualisierten, dateninformierten und flexibel gesteuerten Trainingsansätzen. Diese Beobachtungen stehen im Einklang mit früheren Arbeiten, die eine Abkehr von standardisierten Trainingsmodellen hin zu athletenspezifischen Konzepten beschreiben [2,5]. Dadurch rückt nicht nur die Auswahl geeigneter Trainingsinhalte, sondern auch deren präzise Umsetzung und kontinuierliche Anpassung stärker in den Fokus. Der gezielte Einsatz von Umweltstressoren ergänzt diese Entwicklung, indem zusätzliche leistungsrelevante Reize systematisch in den Trainingsprozess integriert werden [4]. Insbesondere Höhe und Hitze werden dabei nicht mehr isoliert eingesetzt, sondern gezielt in Abhängigkeit von Trainingsphase, Wettkampfkalender und individuellen Reaktionsmustern geplant. Insgesamt verdeutlicht dies, dass moderne Trainingsmethodik weniger auf festen Schemata beruht, sondern als dynamischer, adaptiver Prozess verstanden wird, der datenbasierte Steuerung mit trainerischer Erfahrung verbindet.

Regenerations- und Gesundheitsmanagement

In dieser Kategorie wurden drei Themen zusammengefasst. Die Trainer beschrieben eine wachsende Bedeutung optimierter Ernährungsstrategien (Thema 5), die zunehmend an Trainingsintensität, -umfang und Wettkampfspezifik angepasst werden. Darüber hinaus wurden ganzheitliche Regenerationspraktiken hervorgehoben (Thema 6), die neben klassischen Erholungsmaßnahmen auch Schlaf, Stressmanagement und lebensstilbezogene Faktoren berücksichtigen. Schließlich nannten die Trainer Gesundheits- und Verletzungsprävention als zentrales Element moderner Trainingskonzepte (Thema 7), insbesondere im Hinblick auf langfristige Belastbarkeit und Trainingskontinuität.

Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Leistungsentwicklung im Hochleistungssport zunehmend als langfristiger Prozess verstanden wird, der eine hohe Trainingsverfügbarkeit erfordert. Optimierte Ernährungsstrategien, insbesondere eine angepasste Energie- und Kohlenhydratzufuhr, werden eng mit Belastungsverträglichkeit und Regeneration verknüpft [1,3]. Gleichzeitig verdeutlicht der Fokus auf ganzheitliche Regenerationsstrategien, dass Erholung nicht mehr als passiver Ausgleich, sondern als aktiv steuerbarer Bestandteil des Trainingsprozesses betrachtet wird. Präventive Maßnahmen zielen nicht nur auf die Vermeidung akuter Verletzungen ab, sondern auch auf die Reduktion kumulativer Belastungen, um Trainingsunterbrechungen zu minimieren und eine nachhaltige Leistungsentwicklung zu ermöglichen[6].

Technologische Innovation

Die dritte Kategorie umfasste das Thema technologiegetriebene Innovationen (Thema 8), insbesondere im Bereich von Monitoring-Systemen, Trainingsanalyse und Sportausrüstung. Diese Entwicklungen wurden als wichtige Unterstützung für präzisere Trainingssteuerung, höhere Trainingsqualität und verbessertes Gesundheitsmanagement beschrieben.

Die Aussagen der Trainer verdeutlichen, dass ausrüstungs- und technologiegetriebene Innovationen im modernen Ausdauertraining primär eine unterstützende Funktion einnehmen. Monitoring-Systeme, Analysewerkzeuge und verbesserte Sportausrüstung werden weniger als eigenständige Treiber der Leistungsentwicklung verstanden, sondern vielmehr als Mittel zur präziseren Umsetzung bestehender Trainings-, Regenerations- und Gesundheitsstrategien. Insbesondere im Bereich der Trainingssteuerung ermöglichen technologische Hilfsmittel eine genauere Erfassung interner und externer Belastungen sowie eine frühzeitigere Identifikation von Über- oder Fehlbelastungen[7].

 

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "World-Class Endurance Coaches on the Evolution of Athlete Training and Performance" die 2025 im „International Journal of Sports Physiology and Performance" veröffentlicht wurde.

Quellen

Sandbakk, Ø., Herzog, S., McGawley, K., Pyne, D. B., Talsnes, R. K., Millet, G. P., Solli, G. S., Seiler, S., Laursen, P. B., Haugen, T., Tønnessen, E., Wilber, R., Foster, C., Van Erp, T., Stellingwerff, T., Holmberg, H.-C., & Bucher Sandbakk, S. (2026). Perspectives of World-Class Endurance Coaches on the Evolution of Athlete Training and Performance. International Journal of Sports Physiology and Performance, 21(1), 98–105. doi.org/10.1123/ijspp.2025-0317

[1] Burke, L. M., Castell, L. M., Casa, D. J., Close, G. L., Costa, R. J. S., Desbrow, B., Halson, S. L., Lis, D. M., Melin, A. K., Peeling, P., Saunders, P. U., Slater, G. J., Sygo, J., Witard, O. C., Bermon, S., & Stellingwerff, T. (2019). International Association of Athletics Federations Consensus Statement 2019: Nutrition for Athletics. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 29(2), 73–84. doi.org/10.1123/ijsnem.2019-0065

[2] Haugen, T. (2021). Best-Practice Coaches: An Untapped Resource in Sport-Science Research. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(9), 1215–1216. doi.org/10.1123/ijspp.2021-0277

[3] Jeukendrup, A. E. (2017). Periodized Nutrition for Athletes. Sports Medicine, 47(S1), 51–63. doi.org/10.1007/s40279-017-0694-2

[4] Millet, G. P., & Brocherie, F. (2020). Hypoxic Training Is Beneficial in Elite Athletes. Medicine & Science in Sports & Exercise, 52(2), 515–518. doi.org/10.1249/MSS.0000000000002142

[5] Sandbakk, Ø., Pyne, D. B., McGawley, K., Foster, C., Talsnes, R. K., Solli, G. S., Millet, G. P., Seiler, S., Laursen, P. B., Haugen, T., Tønnessen, E., Wilber, R., Van Erp, T., Stellingwerff, T., Holmberg, H.-C., & Bucher Sandbakk, S. (2023). The Evolution of World-Class Endurance Training: The Scientist’s View on Current and Future Trends. International Journal of Sports Physiology and Performance, 18(8), 885–889. doi.org/10.1123/ijspp.2023-0131

[6] Sandbakk, Ø., Tønnessen, E., Sandbakk, S. B., Losnegard, T., Seiler, S., & Haugen, T. (2025). Best-Practice Training Characteristics Within Olympic Endurance Sports as Described by Norwegian World-Class Coaches. Sports Medicine - Open, 11(1), 45. doi.org/10.1186/s40798-025-00848-3

[7] Senefeld, J. W., Haischer, M. H., Jones, A. M., Wiggins, C. C., Beilfuss, R., Joyner, M. J., & Hunter, S. K. (2021). Technological advances in elite marathon performance. Journal of Applied Physiology, 130(6), 2002–2008. doi.org/10.1152/japplphysiol.00002.2021

 

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