Einfluss der Kohlenhydratzufuhr auf die Leistungsfähigkeit von Nachwuchslangläuferinnen
Von Carlos Lang
Ziel der Studie war es, die Energieverfügbarkeit, Makronährstoffzufuhr und Körperzusammensetzung junger weiblicher Langläuferinnen im Verlauf eines Trainingsjahres zu untersuchen sowie deren Zusammenhang mit der Wettkampfleistung zu analysieren. Insgesamt wurden 25 Athletinnen im Alter von 15 bis 19 Jahren über vier Trainingsperioden hinweg begleitet.
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Energieverfügbarkeit als auch die Kohlenhydratzufuhr während aller Trainingsphasen konstant unter den empfohlenen Richtwerten lagen. Gleichzeitig bestand ein positiver Zusammenhang zwischen einer höheren Energieverfügbarkeit und insbesondere einer höheren Kohlenhydratzufuhr und besseren Wettkampfleistungen. Dies verdeutlicht die zentrale Bedeutung einer energiebedarfsgerechten Ernährung für Trainings- und Wettkampfleistungen.

Eine prospektive Beobachtungsstudie zu Energieverfügbarkeit und Wettkampfleistung
- Die Energie- und Kohlenhydratzufuhr war ganzjährlich konstant unter den sportartspezifischen Empfehlungen
- Eine höhere Kohlenhydrataufnahme und Energieverfügbarkeit steht in Zusammenhang mit besseren Wettkampfergebnissen
- Die Energiezufuhr sollte täglich an Trainingsintensität und Trainingsvolumen angepasst werden
- Restriktive Ernährungsstrategien zur Beeinflussung der Körperzusammensetzung sind nicht leistungsfördernd und haben negative gesundheitliche Folgen
Einleitung
Der Trainingsprozess im Ausdauerlanglauf ist in der Regel periodisiert und umfasst Phasen mit unterschiedlichen Trainingszielen und -belastungen [7,8]. Entsprechend verändern sich im Jahresverlauf auch die energetischen Anforderungen, weshalb eine Anpassung der Ernährung an die Trainingsbelastung empfohlen wird [4].
Eine zentrale Kenngröße ist die Energieverfügbarkeit (Energy Availability, EA), da eine chronisch niedrige EA mit negativen Effekten auf Leistungsentwicklung, Regeneration und Gesundheit assoziiert ist [6]. Im Langlauf kommt der Kohlenhydratzufuhr besondere Bedeutung zu, da intensive Belastungen und Wettkämpfe stark kohlenhydratabhängig sind [1,3].
Ziel der forschenden war es daher, die Energieverfügbarkeit, Makronährstoffzufuhr und Körperzusammensetzung junger weiblicher Langläuferinnen über verschiedene Trainingsperioden hinweg zu untersuchen und deren Zusammenhang mit der Wettkampfleistung zu analysieren.
Methoden
In einer prospektiven Beobachtungsstudie wurden 25 junge weibliche Langläuferinnen über ein Trainingsjahr begleitet. Das Jahr wurde in vier Perioden unterteilt: Vorbereitungsperiode, spezifische Vorbereitungsperiode, Wettkampfperiode und Übergangsperiode.
Während jeder Trainingsperiode führten die Athletinnen dreitägige Ernährungs- und Trainingsprotokolle. Energieaufnahme und Makronährstoffzufuhr wurden mithilfe einer Nährwertsoftware analysiert. Die trainingsbedingte Energieverausgabung wurde anhand individueller Herzfrequenz-Sauerstoffaufnahme-Beziehungen berechnet. Die Energieverfügbarkeit wurde als Differenz zwischen Energieaufnahme und trainingsbedingtem Energieverbrauch relativ zur fettfreien Masse bestimmt.
Die Körperzusammensetzung (Körpermasse, Fettmasse, fettfreie Masse, Körperfettanteil) wurde mittels Bioimpedanzmessung erfasst. Die Wettkampfleistung wurde anhand von FIS-Punkten aus nationalen Jugendmeisterschaften beurteilt.
Ergebnisse
Die mittlere Energieverfügbarkeit lag über alle Trainingsperioden hinweg zwischen 36 und 40 kcal·kgFFM⁻¹·d⁻¹ (Kilokalorien pro Kilogramm fettfreie Masse pro Tag) und unterschied sich nicht nachweisbar zwischen den Perioden. Die Kohlenhydratzufuhr betrug im Mittel 4,4–5,1 g·kg⁻¹·d⁻¹ (Gramm pro Kilogramm Körpermasse pro Tage) und lag damit unter den Empfehlungen für Ausdauersportlerinnen.
In der Übergangsperiode nahm die trainingsbedingte Energieverausgabung ab, gleichzeitig wurde die Energieaufnahme reduziert, sodass die Energieverfügbarkeit stabil blieb.
Körpermasse, Fettmasse und Körperfettanteil stiegen im Verlauf des Trainingsjahres an, insbesondere während der Wettkampfperiode. Bessere Wettkampfleistungen im Distanzlauf (niedrigere FIS-Punkte) waren nachweisbar mit höherer Energieverfügbarkeit, höherer Kohlenhydrat- und Makronährstoffzufuhr sowie geringerem Fettanteil assoziiert. In der Regressionsanalyse erklärte die Kohlenhydratzufuhr 46% der Varianz der Distanz-FIS-Punkte und stellte damit den stärksten Leistungsprädiktor dar.
Diskussion
Die zentralen Ergebnisse der Studie zeigen, dass Energieverfügbarkeit und Kohlenhydratzufuhr bei jungen weiblichen Langläuferinnen über alle Trainingsperioden hinweg relativ konstant blieben, jedoch durchgehend unter den für Leistungsoptimierung empfohlenen Werten lagen. Trotz einer periodisierten Trainingsstruktur wurden keine entsprechenden Anpassungen der Kohlenhydratzufuhr an unterschiedliche Trainingsanforderungen beobachtet. Diese Befunde stimmen mit früheren Untersuchungen überein, die ebenfalls eine unzureichende Kohlenhydratzufuhr bei weiblichen Ausdauerathletinnen berichten [5].
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der enge Zusammenhang zwischen Kohlenhydratzufuhr und Wettkampfleistung. Die Kohlenhydratzufuhr erwies sich als stärkster Prädiktor für die Distanz-FIS-Punkte und erklärte nahezu die Hälfte der Leistungsvarianz. Dieser Befund unterstreicht die hohe Bedeutung einer ausreichenden Kohlenhydratverfügbarkeit für intensive Belastungen und Wettkämpfe im Langlauf, da unzureichende Kohlenhydratspeicher Trainingsintensität, Renndynamik und Regeneration beeinträchtigen können [1,3].
Darüber hinaus zeigte sich, dass ein höherer Körperfettanteil mit schlechterer Wettkampfleistung assoziiert war. Jedoch war zugleich ein höherer Fettanteil mit einer geringeren Makronährstoffzufuhr verbunden, was darauf hindeutet, dass restriktive Ernährungsstrategien nicht zwangsläufig zu einer leistungsfördernden Körperzusammensetzung führen. Dies unterstützt die Annahme, dass langfristig niedrige Energieverfügbarkeit zu metabolischen Anpassungen führen kann, die Leistungsentwicklung und Gesundheit beeinträchtigen [2,6].
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass eine dauerhaft unzureichende Energie- und insbesondere Kohlenhydratzufuhr trotz strukturierter Trainingsperiodisierung einen limitierenden Faktor für die Leistungsentwicklung junger weiblicher Langläuferinnen darstellen kann. Für die sportliche Praxis sollte der Fokus daher weniger auf restriktiver Ernährung oder Körpergewichtsreduktion liegen, sondern auf einer bedarfsgerechten Energie- und Kohlenhydratzufuhr. Dabei ist insbesondere eine Anpassung der Energieaufnahme an Trainingsvolumen und -intensität erforderlich, um eine ausreichende Energieverfügbarkeit sicherzustellen und Leistungsfähigkeit sowie Regeneration zu unterstützen [1,3,6].
Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Carbohydrate intake in young female cross-country skiers is lower than recommended and affects competition performance.", die 2023 im „Frontiers in Sports and Active Living" veröffentlicht wurde.
Quellen
Kettunen, O., Mikkonen, R., Mursu, J., Linnamo, V., & Ihalainen, J. K. (2023). Carbohydrate intake in young female cross-country skiers is lower than recommended and affects competition performance. Frontiers in Sports and Active Living, 5, 1196659. doi.org/10.3389/fspor.2023.1196659
[1] Burke, L. M., Lundy, B., Fahrenholtz, I. L., & Melin, A. K. (2018). Pitfalls of Conducting and InterpretingEstimates of Energy Availability in Free-Living Athletes. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 28(4), 350–363. doi.org/10.1123/ijsnem.2018-0142
[2] Elliott-Sale, K. J., Tenforde, A. S., Parziale, A. L., Holtzman, B., & Ackerman, K. E. (2018). Endocrine Effects of Relative Energy Deficiency in Sport. International Journal of Sport Nutrition and ExerciseMetabolism, 28(4), 335–349. doi.org/10.1123/ijsnem.2018-0127
[3] Hawley, J. A., & Leckey, J. J. (2015). Carbohydrate Dependence During Prolonged, Intense Endurance Exercise. Sports Medicine, 45(S1), 5–12. doi.org/10.1007/s40279-015-0400-1
[4] Jeukendrup, A. E. (2017). Periodized Nutrition for Athletes. Sports Medicine, 47(S1), 51–63. doi.org/10.1007/s40279-017-0694-2
[5] Kettunen, O., Heikkilä, M., Linnamo, V., & Ihalainen, J. K. (2021). Nutrition Knowledge Is Associated with Energy Availability and Carbohydrate Intake in Young Female Cross-Country Skiers. Nutrients, 13(6), 1769. doi.org/10.3390/nu13061769
[6] Mountjoy, M., Sundgot-Borgen, J. K., Burke, L. M., Ackerman, K. E., Blauwet, C., Constantini, N., Lebrun, C., Lundy, B., Melin, A. K., Meyer, N. L., Sherman, R. T., Tenforde, A. S., Klungland Torstveit, M., & Budgett, R. (2018). IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S): 2018 update. British Journal of Sports Medicine, 52(11), 687–697. doi.org/10.1136/bjsports-2018-099193
[7] Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2017). The Training Characteristics of the World’s Most Successful Female Cross-Country Skier. Frontiers in Physiology, 8, 1069. doi.org/10.3389/fphys.2017.01069
[8] Tønnessen, E., Sylta, Ø., Haugen, T. A., Hem, E., Svendsen, I. S., & Seiler, S. (2014). The Road to Gold: Training and Peaking Characteristics in the Year Prior to a Gold Medal Endurance Performance. PLoS ONE, 9(7), e101796. doi.org/10.1371/journal.pone.0101796
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