Geschlechtsunterschiede in der Doppelstockleistung
Von Carlos Lang
Diese Studie untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede in der Doppelstockleistung bei 22 nationalen Nachwuchs-Skilangläufern und Biathleten (13♀, 9♂), die konstant zu den Top-30 ihrer Altersklasse bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zählten. In einem zweitägigen Testprotokoll wurden Oberkörperkraft, aerobe Leistungsfähigkeit, Sprintleistung sowie Körperzusammensetzung erfasst. Die männlichen Athleten zeigten höhere absolute Werte in maximaler Oberkörperkraft sowie in der Sprint- und Spitzenleistung im Doppelstockschub (29–38 % Unterschied). Nach Normierung auf die fettfreie Masse (FFM) reduzierten sich diese Unterschiede deutlich auf 2–12 %. Zudem bestanden enge Zusammenhänge zwischen Oberkörperkraft, aerober Kapazität und der Doppelstockleistung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede im Doppelstockschub primär durch Unterschiede in Muskelmasse, maximaler Kraft und absoluter aerober Kapazität erklärbar sind.

Die Rolle der Oberkörperkraft und Ausdauer bei Nachwuchs-Langläufern und Biathleten
- Männliche Athleten zeigen höhere Werte in der Doppelstockleistung, Oberkörperkraft und VO₂max (maximale Sauerstoffaufnahme)
- Diese Geschlechtsunterschiede reduzieren sich deutlich nach Normierung auf fettfreie Masse
- Oberkörperkraft, VO₂max und VO₂peak-DP (Spitzenwert der Sauerstoffaufnahme beim Doppelstockschubtest) haben den größten Einfluss auf die Doppelstockleistung
Einleitung
Der Doppelstockschub (Double Poling, DP) ist eine technisch und physiologisch anspruchsvolle Teiltechnik im Skilanglauf und gewinnt mit steigender Wettkampfgeschwindigkeit zunehmend an Bedeutung [5]. Eine hohe DP-Leistung erfordert neben einer ausgeprägten maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂max) auch hohe Oberkörperkraft und eine effiziente Kraftübertragung [1].
Männer sind im Skilanglauf typischerweise etwa 10–15 % schneller als Frauen, wobei Unterschiede im Doppelstockschub besonders ausgeprägt sind [3]. Zu geschlechtsspezifischen Leistungsunterschieden im Nachwuchsbereich liegen bislang nur wenige Daten vor [4]. Ziel der Studie war es daher, Geschlechtsunterschiede in der Doppelstockleistung bei Nachwuchsathleten zu untersuchen und zu analysieren, in welchem Ausmaß diese durch Unterschiede in maximaler Kraft, aerober Kapazität und fettfreier Masse erklärbar sind.
Methoden
Untersucht wurden 22 nationale Nachwuchs-Skilangläufer und Biathleten (9♂, 13♀), die konstant unter den Top-30 ihrer Altersklassen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen lagen. Die Testung erfolgte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.
Erfasst wurden:
- Anthropometrie und Körperzusammensetzung mittels bioelektrischer Impedanzanalyse (Bestimmung von Körpermasse, Körperfett und Fettfreier Masse)
- Maximalkrafttests (1RM Bankdrücken und Bankziehen)
- Laufbandtest zur Bestimmung der VO₂max
- 15-s-Maximalsprint auf dem SkiErg zur Ermittlung der maximalen DP-Leistung
- Inkrementeller DP-Ergometertest bis zur Ausbelastung zur Bestimmung von VO₂peak-DP und Spitzenleistung
Leistungsparameter wurden sowohl absolut als auch relativ zur Körpermasse und zur fettfreien Masse analysiert. Zusätzlich wurden Zusammenhänge zwischen maximaler Oberkörperkraft (1RM Bankdrücken und Bankziehen), aeroben Parametern (VO₂max und VO₂peak-DP) sowie Leistungsparametern des Doppelstockschubs (z. B. Spitzenleistung im 15-s-Sprint und im inkrementellen DP-Test) analysiert.
Ergebnisse
Die männlichen Nachwuchs-Elite-Athleten erzielten höhere absolute Werte in maximaler Oberkörperkraft (1RM), in der 15-s-Doppelstock-Sprintleistung sowie in der Spitzenleistung des inkrementellen DP-Tests (≈ 29–38 % Unterschied). Auch VO₂max und VO₂peak-DP lagen absolut um etwa 29–31 % über den Werten der weiblichen Athletinnen.
Nach Normierung auf die Körpermasse reduzierten sich diese Unterschiede moderat (≈ 15–20 %). Bezogen auf die fettfreie Masse (FFM) verringerten sich die Differenzen deutlich auf 2–12 %, wobei einzelne Parameter keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr zeigten.
Zudem zeigte sich, dass Athleten mit höherer aerober Kapazität, größerer Oberkörperkraft und einem höheren Anteil an fettfreier Masse tendenziell auch höhere Leistungen im Doppelstockschub erzielten.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Doppelstockleistung im Nachwuchsbereich primär durch Unterschiede in absoluter Muskelmasse, maximaler Kraft und aerober Kapazität erklärt werden können.
Die starke Reduktion der Leistungsunterschiede nach Normierung auf FFM deutet darauf hin, dass die beobachteten Differenzen weniger auf geschlechtsspezifische physiologische Mechanismen als vielmehr auf Unterschiede in aktiver Muskelmasse zurückzuführen sind. Dies deckt sich mit früheren Befunden, die die Bedeutung der Muskelmasse für VO₂peak und Leistung in oberkörperdominanten Belastungen betonen [1,3].
Die geringeren Unterschiede im Vergleich zu erwachsenen Athleten könnten mit dem jüngeren Alter und dem Entwicklungsstand der untersuchten Nachwuchsathleten zusammenhängen. Mit zunehmender körperlicher Reifung führen steigende Testosteronspiegel bei männlichen Athleten zu größerer Muskelmasse, höherer maximaler Kraft und höheren Hämoglobinkonzentrationen, wodurch sich geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede im Erwachsenenalter stärker ausprägen können [4].
Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Sex Differences in Double Poling Performance: The Role of Upper‐Body Strength and Endurance in Youth Elite Cross‐Country Skiers and Biathletes", die 2025 im "European Journal of Sport Science," veröffentlicht wurde.
Quellen
Wagner, C., Osborne, J. O., Sandbakk, Ø., Schiemann, S., Röhrs, D., Schmidt, T., & Keiner, M. (2025). Sex Differences in Double Poling Performance: The Role of Upper‐Body Strength and Endurance in Youth Elite Cross‐Country Skiers and Biathletes. European Journal of Sport Science, 25(4), e12253. doi.org/10.1002/ejsc.12253
[1] Hegge, A. M., Bucher, E., Ettema, G., Faude, O., Holmberg, H.-C., & Sandbakk, Ø. (2016). Gender differences in power production, energetic capacity and efficiency of elite cross-country skiers during whole-body, upper-body, and arm poling. European Journal of Applied Physiology, 116(2), 291–300. doi.org/10.1007/s00421-015-3281-y
[2] Janssen, I., Heymsfield, S. B., Wang, Z., & Ross, R. (2000). Skeletal muscle mass and distribution in 468 men and women aged 18–88 yr. Journal of Applied Physiology, 89(1), 81–88. doi.org/10.1152/jappl.2000.89.1.81
[3] Sandbakk, Ø., Ettema, G., & Holmberg, H. ‐C. (2014). Gender differences in endurance performance by elite cross‐country skiers are influenced by the contribution from poling. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 24(1), 28–33. doi.org/10.1111/j.1600-0838.2012.01482.x
[4] Sollie, O., & Losnegard, T. (2022). Sex Differences in Physiological Determinants of Performance in Elite Adolescent, Junior, and Senior Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 17(8), 1304–1311. doi.org/10.1123/ijspp.2021-0366
[5] Strøm Solli, G., Kocbach, J., Bucher Sandbakk, S., Haugnes, P., Losnegard, T., & Sandbakk, Ø. (2020). Sex-based differences in sub-technique selection during an international classical cross-country skiing competition. PLOS ONE, 15(9), e0239862. doi.org/10.1371/journal.pone.0239862
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