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Studie

Krafttraining und Ausdauertraining – Die Frage nach der richtigen Reihenfolge

Von Matthias Graf

Im Spitzensport müssen viele Facetten gleichzeitig und unterschiedlich trainiert werden. Dazu zählt sowohl das Krafttraining als auch das Ausdauertraining. Die vorliegende Metaanalyse liefert Handlungsempfehlungen, wie diese beiden Trainingsformen in den Trainingsplan eingebaut werden sollten.

Liegt das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der Kraftfähigkeit, dann sollte zuerst Krafttraining und anschließend das Ausdauertraining durchgeführt werden. Für Frauen ist eine solche Reihenfolge noch wichtiger, da sie von dieser Reihenfolge höhere Kraftzuwächse erreichen als die Männer. Für die Entwicklung der Ausdauerfähigkeiten gilt es keine spezielle Reihenfolge zu beachten.

Allgemein wird die Ausdauerleistung nicht durch ein zusätzliches Krafttraining negativ beeinflusst.

Was sollte zuerst in einer Einheit trainiert werden?

  • Die Trainingsreihenfolge ist entscheidend für die Entwicklung der Kraftfähigkeit, wohingegen die Trainingsreihenfolge keine Auswirkung auf die Entwicklung der Ausdauerleistung hat
  • Für eine positive Entwicklung der Kraftfähigkeit sollte zuerst Krafttraining und dann das Ausdauertraining durchgeführt werden
  • Steht die Entwicklung Ausdauerfähigkeit im Fokus, gilt es keine spezielle Reihenfolge zu beachten

Einleitung und Hintergrund

Werden sowohl Kraft als auch Ausdauer in einer Trainingsperiode trainiert, spricht man dabei von einem sogenannten „concurrent training“ (= gleichzeitiges Training). Dadurch sollen die physiologischen Kapazitäten mithilfe dieser Trainingsart für die jeweilige Sportart bestmöglich ausgebildet werden. Gerade die Maximalkraft ist sowohl für die sportliche Leistung als auch für das tägliche Leben eine entscheidende Komponente [3]. Während die Kraftleistung durch ein zusätzliches Ausdauertraining negativ beeinflusst wird, werden durch das „concurrent training“ die kardiovaskulären Adaptionen nicht beeinträchtigt [5].

Bei einem Review samt Metaanalyse (einer wissenschaftlichen Zusammenfassung der Ergebnisse mehrerer Studien und der anschließenden Berechnung dieser Parameter) entstehen Ergebnisse, welche mit einer stärkeren Aussagekraft, als einzelne Studien, anzusehen sind. Die vorliegende Studie stellt eine solche Arbeit dar und behandelte folgende Fragestellung:

Welchen Einfluss hat der Reihenfolge von Krafttraining und Ausdauertraining auf die Leistungsentwicklung? (Ausdauertraining vor Krafttraining oder Krafttraining vor Ausdauertraining)

Methoden

Mittels einer systematischen Literaturrecherche wurden Studien gesucht, welche den im Vorfeld definierten Einschlusskriterien entsprachen. Die Studien mussten einen Untersuchungszeitraum von mindestens acht Wochen vorweisen und zudem musste es eine Kontrollgruppe geben. Das Studiendesign musste immer eine Trainingseinheit bestehend aus Krafttraining und Ausdauertraining beinhalten. Innerhalb einer Trainingseinheit musste entweder die Reihenfolge Ausdauer-Krafttraining oder Kraft-Ausdauertraining, mit einer maximalen Pause von 5-10 Minuten zwischen den beiden Trainingsformen, durchgeführt werden. Es wurden nur Studien eingeschlossen, die das One-Repetition-Maximum (= 1-RM) beim Unterkörper in den vergleichbaren Muskelgruppen aufgezeichnet haben. Zudem musste die aerobe Kapazität als VO2max oder VO2peak, durch einen entsprechenden Test auf dem Laufband oder einem Ergometer, bestimmt werden.   Das 1-RM wurde entweder mit einer Kniestreckung, einer halben Kniebeuge oder der Beinpresse ermittelt.

Ergebnisse & Diskussion

Die Reihenfolge von Kraft-Ausdauertraining hatte einen deutlichen Vorteil gegenüber der Reihenfolge von Ausdauer-Krafttraining, auf die Entwicklung der Kraftleistung. Von einer solchen Reihenfolge können Frauen noch stärker als Männer profitieren, da sie im Untersuchungszeitraum einen höheren maximalen Kraftzuwachs erreicht haben. Für die Ausbildung der aeroben Kapazität konnte keine präferierte Reihenfolge festgestellt werden.

Die herausgefundene Reihenfolge macht nach Ansicht der Autor*innen Sinn. Durch ein vorangestelltes Ausdauertraining kommt es zu einer akuten lokalen oder globalen Ermüdung, welche die Langzeitadaptionen zur Kraftentwicklung negativ beeinflussen. Diese negative Auswirkung auf die Kraftfähigkeit wird gemäß den Autoren eher durch eine metabolische als durch die neuromuskuläre Ermüdung hervorgerufen. Außerdem spricht es eher dafür, dass eine lokale Ermüdung von einzelnen Muskelgruppen durch das Ausdauertraining, die Kraftfähigkeit beeinflusst, als eine globale Ermüdung. Aus diesem Grund kann laut den Autoren auch keine Aussage darüber getroffen werden, ob dieselben Empfehlungen für die Trainingsreihenfolge auch für ein Oberkörpertraining getroffen werden. Für eine solche Aussage fehlen Studien. Somit sollte bei einem entsprechenden Krafttraining darauf geachtet werden, dass die Zielmuskulatur im Vorfeld nicht vorermüdet wurde.

Die Tatsache, dass die Reihenfolge keine Auswirkung auf die Ausdauerleistung hat, ist laut den Autoren nicht überraschend, denn die meisten Studien lieferten Ergebnisse, dass die Ausdauerleistung durch ein zusätzliches Krafttraining weder verschlechtert noch verbessert wird [4, 5].

Nach den Schlussfolgerungen der Autor*innen sollte für die Entwicklung der Kraftfähigkeit die dargestellte Reihenfolge eingehalten werden, wohingegen es für die Entwicklung der Ausdauerfähigkeit keine bevorzugte Reihenfolge gibt. Ist es jedoch in der Trainingspraxis möglich die Einheiten voneinander zu trennen, sollten wenn es realistisch ist, ca. 24 Stunden zwischen beiden Einheiten liegen, um eine gegenseitige, negative Beeinflussung möglichst gering zu halten [1, 2]. Diese negative Beeinflussung entsteht durch die gegenseitige Hemmung der Signalwege beider Trainingsmethoden [1].

[Anmerkung der Redaktion: Im Nachwuchssport sollte es weiterhin zu einer zeitlichen Trennung von Kraft und Ausdauertraining kommen, um jeweils einen bestimmten Schwerpunkt während einer Trainingseinheit in den Fokus zu stellen. Für das Anschluss- und Hochleistungstraining ist diese zeitliche Trennung aufgrund des hohen Belastungsumfanges nicht weiter umsetzbar. Aufgrund dessen sind kürzere zeitliche Abstände und/oder die Kopplung beider Inhalte in einer Trainingseinheit notwendig.]

Die Inhalte basieren auf dem Originalartikel "The physiological effects of concurrent strength and endurance training sequence: A systematic review and meta-analysis.", der 2018 in „Journal of sports sciences" veröffentlicht wurde.

Quellen

Zsolt Murlasits, Zsuzsanna Kneffel, and Lukman Thalib. 2018. The physiological effects of concurrent strength and endurance training sequence: A systematic review and meta-analysis. Journal of sports sciences 36, 11, 1212–1219. DOI: doi.org/10.1080/02640414.2017.1364405.

 

[1]     Keith Baar. 2014. Using molecular biology to maximize concurrent training. Sports Med 44 Suppl 2, Suppl 2, S117-25. DOI: doi.org/10.1007/s40279-014-0252-0.

[2]      Gregory S. Cantrell, Brian K. Schilling, Max R. Paquette, and Zsolt Murlasits. 2014. Maximal strength, power, and aerobic endurance adaptations to concurrent strength and sprint interval training. Eur J Appl Physiol 114, 4, 763–771. DOI: doi.org/10.1007/s00421-013-2811-8.

[3]      W. K. Mitchell, John Williams, Philip Atherton, Mike Larvin, John Lund, and Marco Narici. 2012. Sarcopenia, dynapenia, and the impact of advancing age on human skeletal muscle size and strength; a quantitative review. Front. Physiol. 3, 260. DOI: doi.org/10.3389/fphys.2012.00260.

[4]      A. G. Nelson, D. A. Arnall, S. F. Loy, L. J. Silvester, and R. K. Conlee. 1990. Consequences of combining strength and endurance training regimens. Physical therapy 70, 5, 287–294. DOI: doi.org/10.1093/ptj/70.5.287.

[5]      Jacob M. Wilson, Pedro J. Marin, Matthew R. Rhea, Stephanie M. C. Wilson, Jeremy P. Loenneke, and Jody C. Anderson. 2012. Concurrent training: a meta-analysis examining interference of aerobic and resistance exercises. Journal of strength and conditioning research 26, 8, 2293–2307. DOI: doi.org/10.1519/JSC.0b013e31823a3e2d.

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