Blocktraining mit moderaten oder hochintensiven Intervallen?
Von Carlos Lang
Diese Studie vergleicht ein einwöchiges Blocktraining mit moderater Intensität (MIT) mit einem einwöchigen Blocktraining mit hoher Intensität (HIT) bei 22 gut trainierten Radfahrern (1♀, 21♂; Alter: 19.2 ± 3.6 Jahre; Körpergewicht: 70.8 ± 7.9 kg; V̇O2max: 69.5 ± 6.0 mL·⁻¹·kg⁻¹). Alle Athleten absolvierten beide Trainingsblöcke, die durch eine etwa zweimonatige Phase mit regulärem Training voneinander getrennt waren. Vor und nach jedem Trainingsblock wurden verschiedene leistungsphysiologische Parameter erhoben. Beide Trainingsformen führten zu deutlichen Verbesserungen der 15-min-Maximalleistung (PO15min) und der Leistung bei maximaler Sauerstoffaufnahme (POV̇O₂max), ohne dass sich statistische Unterschiede zwischen den beiden Trainingsblöcken zeigten. Unterschiede traten bei der Leistung an der Laktatschwelle (PO4mmol) auf, wobei der MIT-Block größere Verbesserungen sowie eine höhere relative Ausnutzung der VO₂max bei dieser Intensität bewirkte. Der HIT-Block zeigte hingegen Verbesserung in VO₂max- nahen Paramtern sowie der Sprintleistung. Insgesamt können beide Trainingsblöcke die Determinanten der Ausdauerleistung verbessern, wobei einige Anpassungen sowie die Anpassungsmechanismen intensitätsspezifisch sind.

Vergleich der Effekte unterschiedlicher Trainingsblöcke auf die Ausdauerleistungsfähigkeit
- Sowohl ein einwöchiger Block mit moderater Intensität (MIT) als auch ein einwöchiger Block mit hoher Intensität (HIT) verbessert die Ausdauerleistungsfähigkeit
- Ein MIT-Block führt zu größeren Verbesserungen der Schwellenleistung
- Ein HIT-Block zeigt tendenziell stärkere Anpassungen bei VO₂max-nahen Leistungsparametern und der Sprintleistung
- VO₂max-Anstieg nach HIT-Block steht im Zusammenhang mit Trainingszeit im Bereich ≥90%VO₂
- Beide Trainingsintensitäten führen zu unterschiedlichen physiologischen Anpassungsmechanismen
Einleitung
Die Ausdauertrainingsliteratur unterscheidet drei Intensitätsbereiche: niedrige Intensität unterhalb der ersten Laktatschwelle (LIT), moderate Intensität zwischen der ersten Laktatschwelle und dem maximalen Laktat-Steady-State (MIT) sowie hohe Intensität oberhalb dieser Schwelle (HIT) [10]. Obwohl Intervalltraining im moderaten Intensitätsbereich im Ausdauersport weit verbreitet ist, bestehen weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich seiner Wirksamkeit und des optimalen Trainingsumfangs [1, 3, 4]. Allgemein wird angenommen, dass trainingsinduzierte Anpassungen nicht allein durch die Intensität, sondern auch durch die kumulierte Belastungsdauer bestimmt werden, wobei insbesondere das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidend ist. Frühere Studien zeigen, dass MIT-Training bei längerer Belastungsdauer ähnliche Anpassungen wie HIT-Training bewirken kann [2, 9,11]. Im Kontext der Blockperiodisierung deuten aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass sowohl MIT- als auch HIT-Trainingsblöcke die Leistungsfähigkeit verbessern und daher häufig in der Trainingsplanung von Top-Athleten berücksichtigt werden [7, 8]. Ein direkter Vergleich eines einwöchigen MIT- und HIT-Blocks bei gut trainierten Sportlern fehlt jedoch bislang [5, 6].
Mit dieser Studie wollten die Forscher daher die Effekte eines einwöchigen MIT-Blocks mit denen eines einwöchigen HIT-Blocks bei gut trainierten Radfahrern vergleichen und zusätzlich den Zusammenhang zwischen der bei ≥ 90 % der V̇O₂max verbrachten Zeit und trainingsinduzierten Anpassungen untersuchen.
Methoden
An der Studie nahmen 22 gut trainierte Radfahrer*innen (1♀, 21♂; Alter: 19,2 ± 3,6 Jahre; Körpergewicht: 70.8 ± 7.9kg; V̇O2max: 69.5 ± 6.0 mL·min−1·kg−1) teil, die sich alle zu Studienbeginn in der Vorbereitungsperiode befanden. Alle Teilnehmenden absolvierten zunächst einen einwöchigen Block mit moderat-intensivem Intervalltraining (MIT) und nach einer etwa zweimonatigen Phase mit regulärem Training einen einwöchigen Block mit hochintensivem Intervalltraining (HIT). Jeder Trainingsblock wurde von einer sechstägigen aktiven Erholungsphase gefolgt. Leistungsphysiologische Testungen erfolgten jeweils vor und nach den Trainingsblöcken. Die Testbatterie bestand aus einem Laktatstufentest, einem 10-s-Sprinttest, einem VO₂max-Test sowie einem 15-min-Zeitfahrtest.

Der MIT-Block umfasste sechs Trainingseinheiten über sieben Tage und bestand aus langen Intervallen im moderaten Intensitätsbereich (RPE 14–15). Die Intervalle wurden als 7 × 10min (2,5min Pause), 6 × 12min (3min Pause) oder 5 × 14min (3,5min Pause) durchgeführt. Der HIT-Block bestand aus fünf Trainingseinheiten über sechs Tage, wobei jede Einheit aus 5 × 8,75min hochintensiver Belastung (RPE 16–18) bestand. Diese Intervalle waren in kurze 30s/15s-Intervalle unterteilt. Das gesamte Intervallvolumen war im MIT-Block mit 7h 4min deutlich höher als im HIT-Block mit 3h 42min. Die Trainingsbelastung wurde anhand von Herzfrequenzzonen quantifiziert.

Ergebnisse
Die mittlere Leistung im 15-min-Maximaltest (PO15min) stieg nach beiden Trainingsblöcken an (MIT: +4,9% ± 8,7; HIT: +2,8% ± 5,3), wobei kein Unterschied zwischen den beiden Blöcken beobachtet wurde. Auch die Leistung in der Nähe der maximalen Sauerstoffaufnahme (POV̇O₂max) nahm bei beiden Trainingsformen in vergleichbarem Ausmaß zu (MIT: +2,4% ± 4,5; HIT: +3,7% ± 3,2). Ebenso verbesserte sich die maximale Sauerstoffaufnahme (V̇O₂max) in beiden Blöcken ohne Unterschiede zwischen den Gruppen (MIT: +1,5% ± 3,9; HIT: +2,4% ± 3,8).
Unterschiede zwischen den Trainingsformen zeigten sich bei der Schwellenleistung (PO4mmol), die nach dem MIT-Block stärker anstieg (+4,5% ± 4,5) als nach dem HIT-Block (+2,1% ± 2,7). Die maximale Sauerstoffaufanhme (VO2max) verbesserte sich nur nach dem HIT-Bock, jedoch ohne Unterschiede zwischen den Gruppen (MIT: +1,5% ± 3,9; HIT: +2,4% ± 3,8). Zudem traten Unterschiede in der prozentualen Ausschöpfung der VO₂max an der 4-mmol-Laktatschwelle auf. Während im MIT-Block eine Zunahme beobachtet wurde (+1,2% ± 3,4), zeigte sich im HIT-Block eine Abnahme (−0,9% ± 2,5), welche statistisch jedoch nicht sicher dem HIT-Block zugeschrieben werden kann.
Darüber hinaus wurde ein positiver Zusammenhang zwischen der im HIT-Block verbrachten Zeit ≥ 90 % der VO₂max und der Veränderung der VO₂max festgestellt. Für jede zusätzliche Minute in diesem Intensitätsbereich war der durchschnittliche VO₂max-Zuwachs um 0,41 mL·kg⁻¹·min⁻¹ [0.23,0.59] höher. Die Sprintleistung (PO10sec) zeigte nach dem HIT-Block eine Verbesserung (+1,5% ± 3,7), während sie nach dem MIT-Block leicht abnahm (−1,5% ± 7,3), auch wenn dieser Unterschied statistisch nicht abgesichert ist.
Diskussion
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sowohl ein einwöchiger Block mit moderat-intensivem Intervalltraining (MIT) als auch ein einwöchiger Block mit hochintensivem Intervalltraining (HIT) die Ausdauerleistung wirksam verbessert. Die vergleichbaren Verbesserungen der 15-min-Maximalleistung (PO15min) deutet darauf hin, dass beide Trainingsformen trotz deutlicher Unterschiede in Intensität, Belastungsdauer und Interner Beanspruchung (Herzfrequenz, Laktat, RPE) einen ähnlichen leistungswirksamen Trainingsreiz setzen.
Gleichzeitig zeigten sich Unterschiede in den Anpassungsschwerpunkten zwischen den Trainingsblöcken. Der stärkere Anstieg der Schwellenleistung (PO4mmol) nach dem MIT-Block im Vergleich zum HIT-Block spricht dafür, dass längere Intervalle im moderaten Intensitätsbereich besonders geeignet sind, schwellennahe Leistungsparameter zu verbessern. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Studien, in denen bei längerer Belastungsdauer im moderaten Intensitätsbereich vergleichbare oder größere Verbesserungen der Schwellenparameter beobachtet wurden [9, 11].
Demgegenüber zeigte der HIT-Block größere Verbesserungen bei VO₂max-nahen Leistungsparametern sowie bei der Sprintleistung (PO10sec), auch wenn diese Unterschiede nicht eindeutig statistisch abgesichert waren. Die stärkeren Anpassungen traten dabei in Leistungsbereichen auf, die näher an der im HIT-Block trainierten Intensität lagen, was auf einen intensitätsabhängigen Anpassungsschwerpunkt hinweist.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Zusammenhang zwischen der Zeit ≥ 90 % der VO₂max während der Arbeitsintervalle und der Verbesserung der VO₂max im HIT-Block. Dieser Zusammenhang wurde im MIT-Block nicht beobachtet. Dieser Befund stimmt mit früheren Arbeiten überein, die die Zeit nahe der VO₂max als relevanten Trainingsreiz bei hochintensivem Intervalltraining beschreiben [7,12], und deutet darauf hin, dass sich die trainingsinduzierten Anpassungen zwischen MIT und HIT in ihren zugrunde liegenden Reizmechanismen unterscheiden.
Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Block Training With Moderate- or High-Intensity Intervals Both Improve Endurance Performance in Well-Trained Cyclists", die 2025 im "European Journal of Sport" veröffentlicht wurde.
Quellen
Rønnestad, B. R., Odden, I. U., Solum, K. S., Rustaden, A. M., Hamarsland, H., Hammarström, D., Nygaard, H., & Mølmen, K. S. (2025). Block Training With Moderate‐ or High‐Intensity Intervals Both Improve Endurance Performance in Well‐Trained Cyclists. European Journal of Sport Science, 25(11), e70067. doi.org/10.1002/ejsc.70067
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