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Studie

Aufbau von Trainingseinheiten im Skilanglauf und Biathlon

Von Carlos Lang

Die Studie untersucht Trainingseinheiten unterschiedlicher olympischer Ausdauersportarten anhand der Erfahrungen erfolgreicher norwegischer Trainer. Grundlage bilden Fragebögen, Trainingsprotokolle sowie Interviews mit zwölf Trainern, deren Athleten zusammen mehr als 370 Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften gewonnen haben. Für Skilanglauf und Biathlon zeigen die Ergebnisse, dass der Großteil der Trainingseinheiten, wie in anderen Ausdauersportarten, im niedrigen Intensitätsbereich durchgeführt wird und häufig lange kontinuierliche Belastungen umfasst. Moderates und hochintensives Training erfolgt überwiegend in Form von Intervalltraining mit mehreren Wiederholungen und relativ hoher akkumulierter Arbeitszeit. Die konkrete Gestaltung der Trainingseinheiten wird dabei stark durch sportartspezifische Anforderungen beeinflusst, insbesondere durch Geländeprofile, technische Anforderungen der Bewegungsformen sowie im Biathlon zusätzlich durch die Integration des Schießtrainings.

Analyse typischer Trainingsmodelle in unterschiedlichen Intensitätszonen

  • Ausdauertraining folgt häufig einer Hard–Easy-Rhythmik mit einer Mischung aus intensiven und lockeren Trainingstagen
  • Etwa 80 % der Trainingszeit wird in niedriger Intensität und kontinuierlicher Belastung durchgeführt
  • Intensive Belastungen erfolgen meist in Intervallform absolviert werden, um eine hohe Zeit in intensiven Belastungsbereichen zu erreichen
  • Unspezifisches Training (Training in alternativen Bewegungsformen) wird vor allem außerhalb der Wettkampfperiode genutzt, um Trainingsumfang zu erhöhen und Belastungen zu variieren
  • Höhentraining und Taperingphasen werden eingesetzt, um physiologische Anpassungen zu fördern und die Leistungsfähigkeit im Wettkampf zu optimieren

Einleitung

Studien der letzten etwa 25 Jahre zeigen, dass Ausdauerathleten jährlich ungefähr 500–1200 Trainingsstunden absolvieren, verteilt auf etwa 300–600 Trainingseinheiten [4]. Unterschiede im Trainingsumfang zwischen verschiedenen Sportarten ergeben sich vor allem aus sportspezifischen Anforderungen [2]. Während Trainingsvolumen und Intensitätsverteilung bereits für mehrere Ausdauersportarten beschrieben wurden, gibt es bislang nur begrenzte Informationen zur konkreten Gestaltung einzelner Trainingseinheiten und deren Struktur innerhalb verschiedener Intensitätsbereiche [1]. Gerade für komplexe Ausdauersportarten wie Skilanglauf und Biathlon, die sowohl hohe aerobe Anforderungen als auch technische und koordinative Fähigkeiten erfordern, ist ein genaueres Verständnis der Trainingsgestaltung von besonderer Bedeutung [2].

Ziel der Forscher dieser Studie war es daher, anhand der Erfahrungen erfolgreicher norwegischer Trainer typische Trainingsmodelle für unterschiedliche Intensitätsbereiche in olympischen Ausdauersportarten zu beschreiben und miteinander zu vergleichen. Für die folgende Zusammenfassung liegt der Schwerpunkt dabei insbesondere auf den Erkenntnissen für Skilanglauf und Biathlon.

 

Methoden

Die Studie verwendete ein Fallstudiendesign, um bewährte Trainingsmodelle einzelner Trainingseinheiten in verschiedenen olympischen Ausdauersportarten zu untersuchen. Insgesamt nahmen 12 norwegische Top-Trainer teil, deren Athleten zusammen mehr als 370 Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften gewonnen haben.

Die Datenerhebung erfolgte mittels Fragebögen, semi-strukturierter Interviews und der Analyse von Trainingsprotokollen erfolgreicher Athleten, um die Angaben der Trainer zu überprüfen und zu ergänzen. Zur Einordnung der Trainingsintensität wurde eine sechsstufige Intensitätsskala des Norwegian Top Sport Centre verwendet. Die Daten wurden anschließend deskriptiv analysiert und zwischen den verschiedenen Ausdauersportarten verglichen.

Ergebnisse und Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass Niedrigintensives Training (LIT) Skilanglauf und Biathlon mit ungefähr 80% den größten Anteil der Trainingseinheiten ausmacht. Dieses Muster entspricht auch anderen Ausdauersportarten und wurde bereits in früheren Studien zur Trainingsintensitätsverteilung bei Eliteausdauerathleten beschrieben [4,5]. Die vergleichsweisen langen LIT-Einheiten ermöglichen hohe Trainingsumfänge und fördern insbesondere die Entwicklung der aeroben Leistungsfähigkeit sowie der Bewegungseffizienz [3].

Ein gezieltes Training im Zone-2-Bereich wird dagegen nur selten geplant. In vielen Fällen entsteht diese Intensität automatisch durch Geländeprofile oder technische Anforderungen, beispielsweise bei längeren Anstiegen im Skilanglauf. Dieses Vorgehen unterstützt die Aufrechterhaltung einer effizienten Bewegungstechnik bei gleichzeitig moderater Belastung [1].

Training im moderaten Intensitätsbereich (Zone 3) wird häufig in Form von Intervalltraining durchgeführt und dient insbesondere der Verbesserung der aeroben Schwellenleistung [4]. Im Skilanglauf und Biathlon kommen jedoch auch kontinuierliche Belastungen in diesem Intensitätsbereich vor.

Intensivere Trainingseinheiten in Zone 4 und Zone 5 werden überwiegend als Intervalle oder Wettkampfsimulationen durchgeführt und spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung der maximalen Sauerstoffaufnahme und der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit [4]. Typisch für viele Intervalltrainingseinheiten ist dabei eine leicht progressive Intensitätsgestaltung, bei der die Belastung im Verlauf der Einheit schrittweise erhöht wird, während die Ausführung insgesamt kontrolliert und selten bis zur vollständigen Erschöpfung erfolgt [1].

Sehr hochintensive Belastungen im Zone-6-Bereich bestehen meist aus kurzen Intervallen mit sehr hoher Intensität und einer vergleichsweise geringen akkumulierten Arbeitszeit. Die einzelnen Belastungsintervalle dauern 20 Sekunden bis etwa zwei Minuten und werden mit langen Pausen durchgeführt. Solche Einheiten dienen vor allem der Entwicklung von Schnelligkeit und anaerober Leistungsfähigkeit, kommen im Trainingsalltag von Ausdauerathleten jedoch deutlich seltener vor [1].

Im Skilanglauf und Biathlon zeigen sich mehrere Trainingsprinzipien, die auch in vielen anderen Ausdauersportarten Anwendung finden. Dazu gehört insbesondere die Hard–Easy-Rhythmik, bei der intensive Trainingstage systematisch mit Tagen niedriger Intensität kombiniert werden. Diese Struktur ermöglicht eine ausreichende Regeneration und trägt dazu bei, intensive Trainingseinheiten mit hoher Qualität durchführen zu können  [1].

Darüber hat Cross-Training, also Training in alternativen Bewegungsformen, im Skilanglauf und Biathlon eine große Bedeutung. Besonders außerhalb der Wintersaison werden alternative Bewegungsformen wie Laufen oder Radfahren eingesetzt, um hohe Trainingsumfänge zu erreichen und gleichzeitig die spezifische muskuläre Belastung zu variieren. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die gewählten Trainingsformen ausreichend physiologische und biomechanische Ähnlichkeiten zur Wettkampfbewegung aufweisen, um einen effektiven Trainingstransfer zu gewährleisten [3] .

Zusätzlich spielt auch Höhentraining in vielen Ausdauerdisziplinen eine wichtige Rolle. Dabei wird die Trainingsintensität häufig angepasst, da die geringere Sauerstoffverfügbarkeit zu einer höheren physiologischen Belastung führen kann [7]. Ebenso werden in der Trainingsplanung regelmäßig Entlastungs- oder Taperingphasenintegriert, in denen der Trainingsumfang reduziert wird, um Ermüdung abzubauen und eine optimale Leistungsfähigkeit im Wettkampf zu ermöglichen [1].

Eine Besonderheit im Biathlontraining ist zudem die Kombination von Intervallbelastungen mit Schießtraining. Häufig wird das Schießen während der Erholungsphasen zwischen den Intervallen integriert, wodurch sowohl die physiologischen Anforderungen als auch die technischen Anforderungen des Wettkampfs gezielt trainiert werden [2].

Die Studie zeigt, dass sich Trainingsmodelle zwischen Ausdauersportarten vor allem aufgrund sportartspezifischer Anforderungen unterscheiden. Dazu zählen insbesondere Unterschiede in der Belastungsverträglichkeit der Bewegungsformen, technische Anforderungen sowie Gelände- und Wettkampfcharakteristika. Im Skilanglauf und Biathlon beeinflussen vor allem wechselnde Geländeprofile, verschiedene Subtechniken sowie im Biathlon zusätzlich das Schießen die Gestaltung der Trainingseinheiten [1].

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Training Session Models in Endurance Sports: A Norwegian Perspective on Best Practice Recommendations", die 2024 im "Sports Med" veröffentlicht wurde.

Quellen

[1] Tønnessen, E., Sandbakk, Ø., Sandbakk, S.B. et al. Training Session Models in Endurance Sports: A Norwegian Perspective on Best Practice Recommendations. Sports Med 54, 2935–2953 (2024). https://doi.org/10.1007/s40279-024-02067-4

[2]Laaksonen, M. S., Finkenzeller, T., Holmberg, H.-C., & Sattlecker, G. (2018). The influence of physiobiomechanical parameters, technical aspects of shooting, and psychophysiological factors on biathlon performance: A review. Journal of Sport and Health Science, 7(4), 394–404. doi.org/10.1016/j.jshs.2018.09.003

[3] Sandbakk, Ø., & Holmberg, H.-C. (2017). Physiological Capacity and Training Routines of Elite Cross-Country Skiers: Approaching the Upper Limits of Human Endurance. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12(8), 1003–1011. doi.org/10.1123/ijspp.2016-0749

[4]  Seiler, S. (2010). What is Best Practice for Training Intensity and Duration Distribution in Endurance Athletes? International Journal of Sports Physiology and Performance, 5(3), 276–291. doi.org/10.1123/ijspp.5.3.276

[5] Stöggl, T. L., & Sperlich, B. (2015). The training intensity distribution among well-trained and elite endurance athletes. Frontiers in Physiology, 6. doi.org/10.3389/fphys.2015.00295

[6] Tønnessen, E., Sandbakk, Ø., Sandbakk, S. B., Seiler, S., & Haugen, T. (2024). Training Session Models in Endurance Sports: A Norwegian Perspective on Best Practice Recommendations. Sports Medicine, 54(11), 2935–2953. doi.org/10.1007/s40279-024-02067-4

[7] Wilber, R. L. (2007). Application of Altitude/Hypoxic Training by Elite Athletes. Medicine & Science in Sports & Exercise, 39(9), 1610–1624. doi.org/10.1249/mss.0b013e3180de49e6

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