Tagesbezogene Periodisierung des Ausdauertrainings bei Weltklasse-Langläufern
Von Carlos Lang
Diese Studie untersucht die tagesbezogene Periodisierung des Ausdauertrainings von 17 Weltklasse-Langläufern (7♀, 10♂) anhand selbstberichteter, einheitenbasierter Trainingsdaten aus ihren jeweils erfolgreichsten Saisons. Die Daten wurden retrospektiv analysiert und in eine Vorbereitungs- (GP) und Wettkampfperiode (CP) unterteilt. Das Training war durch eine sequenzielle Anordnung unterschiedlicher Belastungstage gekennzeichnet, bestehend aus Tagen hohen Trainingsumfangs, Tagen erhöhter Intensität in Abständen von etwa 3–4 Tagen sowie regelmäßig integrierten Tagen mit reduzierter Belastung oder vollständiger Ruhe in Abständen von etwa 8–9 Tagen. Hoher Trainingsumfang und hohe Intensität traten nur an rund 5 % der Trainingstage gemeinsam auf. Zwischen GP und CP unterschieden sich die Muster der täglichen Trainingsbelastung, wobei vor allem der Anteil hochbelasteter Tage in der Wettkampfperiode geringer war.

Analyse der täglichen Verteilung von Trainingsvolumen, Intensität und Erholung in Vorbereitungs- und Wettkampfperiode
- Klare tagesbezogene Verteilung von Volumen-, Intensitäts- und Erholungstagen
- nur etwa 5 % der Trainingstage kombinieren hohe Intensität und hohes Volumen
- Intensive Trainingseinheiten (MIT/HIT) treten im Mittel alle 3–4 Tage auf,
- Intensive Trainingseinheiten (MIT/HIT) gleicher Intensität sind meist durch ≈ 8 Tage getrennt
- In der Wettkampfperiode werden intensive Belastungen reduziert
- Vollständige Ruhetage werden regelmäßig integriert, im Mittel alle 8–9 Tage
Einleitung
Frühere Untersuchungen zeigen, dass Weltklasse-Langläufer*innen mit sehr hohen Trainingsumfängen (750–1000 h pro Jahr) und einer ausgeprägten Trainingsdichte (≈ 510 Trainingseinheiten pro Jahr) trainieren [5,7,8]. Diese Trainingsumfänge verteilen sich typischerweise auf etwa 310 Trainingstage und etwa 50 vollständigen Ruhetagen pro Jahr [5,9]. Der überwiegende Teil des Ausdauertrainings wird dabei im niedrigen Intensitätsbereich absolviert (≈ 90 %) und durch eine vergleichsweise geringe Anzahl intensiver Einheiten ergänzt (80 Einheiten pro Jahr) [9].Unter diesen Bedingungen kommt der tagesbezogenen Organisation der Trainingsbelastung eine zentrale Bedeutung zu, da die kurzfristige Abfolge von Volumen-, Intensitäts- und Erholungstagen die akute Beanspruchung, die Trainingsqualität und die Regenerationsanforderungen maßgeblich beeinflusst [9].
Ziel der Studie war es daher, die tagesbezogene Periodisierung des Ausdauertrainings von Weltklasse-Langläufer*innen zu analysieren und Unterschiede zwischen Vorbereitungs- und Wettkampfperiode herauszuarbeiten, da sich bisherige Arbeiten überwiegend mit längeren Zeiträumen der Trainingsplanung befasst haben [5,7,8].
Methoden
Zur Analyse der tagesbezogenen Trainingssteuerung wurde das Trainingsjahr in eine Vorbereitungsperiode (General Preparation, GP; Mai–Oktober) und eine Wettkampfperiode (Competition Period, CP; November–April) unterteilt.
Das tägliche Trainingsvolumen wurde relativ zum individuellen mittleren Tagesvolumen normiert und zur Beschreibung der Volumenvariation auf Tagesebene in vier Kategorien eingeteilt:
- sehr niedrig: 0–50 %
- niedrig: 50–100 %
- moderat: 100–150 %
- hoch: >150 % des individuellen mittleren Tagesvolumens
Zur Erfassung der täglichen Trainingsbelastung wurde zusätzlich der Trainingsimpuls (TRIMP) berechnet, der sich aus der Trainingsdauer multipliziert mit einem intensitätsabhängigen Faktor (1–3 für niedrige, moderate und hohe Intensität) zusammensetzt.
Ergebnisse
Die Analyse umfasste insgesamt über 13.000 Stunden und mehr als 8.700 Ausdauereinheiten aus den jeweils erfolgreichsten Saisons der untersuchten Weltklasse-Langläufer*innen. Das mittlere tägliche Trainingsvolumen betrug rund 128 +- 10 min Minuten, die durchschnittliche tägliche Trainingsbelastung (TRIMP) etwa 145 +-11min willkürliche Einheiten. Die Trainingstage verteilten sich über beide Perioden hinweg überwiegend auf niedrige und moderate Belastungsbereiche, während hohe Belastungstage einen kleineren, aber gezielt eingesetzten Anteil ausmachten.
In der Vorbereitungsperiode (GP) entfielen etwa 18 % der Tage auf sehr niedrige, 22 % auf niedrige, 32 % auf moderate und 28 % auf hohe Volumentage. In der Wettkampfperiode (CP) verschob sich diese Verteilung deutlich zugunsten niedriger Belastungen, mit 23 % sehr niedrigen, 35 % niedrigen, 32 % moderaten und lediglich 10 % hohen Volumentagen. Diese Veränderung verdeutlicht eine klare Reduktion von Volumenspitzen in der Wettkampfphase.
Intensive Trainingseinheiten traten in der GP im Mittel alle 3,6 Tage auf, in der CP alle 3,0 Tage. Häufig waren diese Einheiten von Tagen mit erhöhtem Trainingsvolumen am Vortag und reduzierter Belastung am Folgetag flankiert. Vollständige Ruhetage wurden im Mittel alle 8–9 Tage eingeplant. Das Verhältnis von akuter zu chronischer Trainingsbelastung (ACWR) lag an etwa 70 % der Tage im als stabil geltenden Bereich zwischen 0,75 und 1,25, während nur ein geringer Anteil der Tage deutlich darüber oder darunter lag. Insgesamt kombinierten lediglich rund 5 % der Trainingstage gleichzeitig hohes Volumen und hohe Intensität.

Diskussion
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Organisation der täglichen Trainingsbelastung zwischen Vorbereitungs- (GP) und Wettkampfperiode (CP). In der GP war der Anteil an Tagen mit hoher Trainingsbelastung deutlich höher, während dieser in der CP mehr als halbiert war. Gleichzeitig blieb der Anteil moderat belasteter Tage über beide Perioden hinweg konstant, während in der CP vermehrt Tage mit sehr niedriger bis niedriger Belastung integriert wurden. Dies verdeutlicht, dass Weltklasse-Langläufer*innen höhere Trainingsumfänge in der GP primär über eine größere Anzahl hochbelasteter Tage realisieren und nicht über eine gleichmäßige Erhöhung der täglichen Belastung [8].
Die Trainingssteuerung war dabei durch eine gezielte Verteilung der Belastung gekennzeichnet, bei der ausgeprägte tägliche Belastungsspitzen vermieden wurden, was sich in einer insgesamt stabilen Entwicklung der Trainingsbelastung über die Zeit widerspiegelt. Dieses Vorgehen könnte dazu beitragen, unerwartete Leistungseinbrüche zu verhindern und einen nachhaltigen Trainingsprozess zu unterstützen [6]. Ergänzt wurde dieses Belastungsmanagement durch regelmäßig integrierte Ruhetage sowie zusätzliche Tage mit sehr niedriger Trainingsbelastung. Solche Entlastungsstrategien gelten als wichtig für das Ermüdungsmanagement und die Regeneration [2].
Ein zentrales Merkmal der Trainingsorganisation war die klare Trennung von Trainingsvolumen und Trainingsintensität auf Tagesebene. Intensive Trainingseinheiten wurden nur selten mit sehr hohen Trainingsumfängen kombiniert, was die Qualität intensiver Einheiten sichern dürfte [1].
Die zeitlichen Abstände zwischen intensiven Trainingseinheiten lagen in der GP überwiegend bei drei bis vier Tagen, während in der CP kürzere Abstände vor allem im Zusammenhang mit Wettkämpfen auftraten. Der Trainingsumfang an Tagen mit intensiven Einheiten sowie an den unmittelbar davorliegenden Tagen blieb dabei meist moderat, wohingegen eine Reduktion der Belastung häufiger an den Folgetagen erfolgte. Dieses Muster deutet darauf hin, dass intensive Reize in einen insgesamt stabilen Trainingskontext eingebettet werden und nicht durch ausgeprägte Vorab-Reduktionen vorbereitet werden müssen. Klassische Tapering-Strategien scheinen daher primär auf zentrale Saisonhöhepunkte beschränkt zu sein [3,7].
Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Day‐To‐Day Endurance Training Periodization of World‐Class Cross‐Country Skiers", die 2025 im "European Journal of Sport Science" veröffentlicht wurde.
Quellen
Walther, J., Kocbach, J., & Sandbakk, Ø. (2025). Day‐To‐Day Endurance Training Periodization of World‐Class Cross‐Country Skiers. European Journal of Sport Science, 25(6), e12322. doi.org/10.1002/ejsc.12322
[1] Bucher Sandbakk, S., Walther, J., Solli, G. S., Tønnessen, E., & Haugen, T. (2023). Training Quality—What Is It and How Can We Improve It? International Journal of Sports Physiology and Performance, 18(5), 557–560. doi.org/10.1123/ijspp.2022-0484
[2] Meeusen, R., Duclos, M., Foster, C., Fry, A., Gleeson, M., Nieman, D., Raglin, J., Rietjens, G., Steinacker, J., & Urhausen, A. (2013). Prevention, diagnosis and treatment of the overtraining syndrome: Joint consensus statement of the European College of Sport Science (ECSS) and the American College of Sports Medicine (ACSM). European Journal of Sport Science, 13(1), 1–24. doi.org/10.1080/17461391.2012.730061
[3] Mujika, I., & Padilla, S. (2003). Scientific Bases for Precompetition Tapering Strategies: Medicine & Science in Sports & Exercise, 35(7), 1182–1187. doi.org/10.1249/01.MSS.0000074448.73931.11
[5] Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2017). The Training Characteristics of the World’s Most Successful Female Cross-Country Skier. Frontiers in Physiology, 8, 1069. doi.org/10.3389/fphys.2017.01069
[6] Talsnes, R. K., Moxnes, E. F., Nystad, T., & Sandbakk, Ø. (2023). The return from underperformance to sustainable world-class level: A case study of a male cross-country skier. Frontiers in Physiology, 13, 1089867. doi.org/10.3389/fphys.2022.1089867
[7] Tønnessen, E., Sylta, Ø., Haugen, T. A., Hem, E., Svendsen, I. S., & Seiler, S. (2014). The Road to Gold: Training and Peaking Characteristics in the Year Prior to a Gold Medal Endurance Performance. PLoS ONE, 9(7), e101796. doi.org/10.1371/journal.pone.0101796
[8] Walther, J., Haugen, T., Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2023). From juniors to seniors: Changes in training characteristics and aerobic power in 17 world-class cross-country skiers. Frontiers in Physiology, 14, 1288606. doi.org/10.3389/fphys.2023.1288606
[9] Walther, J., Haugen, T., Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2024). The Evolvement of Session Design From Junior Age to Senior Peak Performance in World-Class Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 19(10), 1097–1106. doi.org/10.1123/ijspp.2023-0541
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