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Studie

Bedeutung der Variation von Trainingsmitteln für die tagesbezogene Periodisierung im Skilanglauf

Von Carlos Lang

Diese Studie untersucht die tagesbezogene Periodisierung verschiedener Trainingsmittel im Ausdauertraining von 17 Weltklasse-Skilangläufern (7♀, 10♂) anhand der Trainingsdaten aus ihrer erfolgreichsten Saison. Ziel war es, zu analysieren, wie unterschiedliche Trainingsmittel organisiert werden und in welchem Zusammenhang sie mit Trainingsbelastung und Intensität stehen. Die Ergebnisse zeigen, dass Weltklasse-Skilangläufer eine hohe Variation verschiedener Trainingsmittel nutzen. Mit zunehmender Trainingsbelastung nahm diese Variation weiter zu. Einheiten desselben Trainingsmittels wurden häufig in kurzen Abständen von 1–3 Tagen wiederholt. Intensive Einheiten desselben Trainingsmittels traten dagegen seltener auf und waren meist durch längere Zeiträume voneinander getrennt. In der Wettkampfperiode kam es häufiger zu aufeinanderfolgenden intensiven Einheiten desselben Trainingsmittels, was vor allem durch Wettkampfphasen erklärt werden kann.

Analyse der täglichen Verteilung von Trainingsvolumen, Intensität und Erholung in Vorbereitungs- und Wettkampfperiode

  • Die Variation der Trainingsmittel nimmt bei höherer Trainingsbelastung zu
  • Einheiten desselben Trainingsmittels werden meist in kurzen Abständen wiederholt (1–3 Tage)
  • Intensive Einheiten desselben Trainingsmittels sind in der Vorbereitungsphase meist durch längere Zeiträume getrennt (≥ 14 Tage)
  • In der Wettkampfperiode kommt es häufiger zu aufeinanderfolgenden intensiven Einheiten desselben Trainingsmittels (wettkampfbedingt)

Einleitung

Skilanglaufwettkämpfe werden in zwei Techniken (klassisch und Skating) auf variierendem Gelände ausgetragen und erfordern den Einsatz mehrerer Subtechniken innerhalb jeder Technik. Aufgrund der unterschiedlichen Wettkampfformate trainieren Athleten beide Techniken parallel und nutzen dabei sowohl spezifische (Skilanglauf) als auch semispezifische (Rollski) Trainingsmittel, ergänzt durch unspezifische Trainingsmittel wie Laufen, Radfahren oder Rudern (Cross-Training), die hauptsächlich in der Vorbereitungsperiode vorkommen [3,4,8].

Frühere Studien zeigen, dass Weltklasse-Skilangläufer jährlich etwa 550 Stunden in spezifischen bzw. semispezifischen und rund 250 Stunden in unspezifischen Trainingsmitteln absolvieren, ergänzt durch etwa 80 Stunden Kraft- und Schnelligkeitstraining [4,8,9]. Während diese Daten die Trainingsstruktur auf Jahresbasis beschreiben, ist wenig darüber bekannt, wie Trainingsmittel in kürzeren Zeiträumen organisiert werden und wie sie mit Trainingsbelastung und Intensität zusammenhängen.

 

Methoden

Die Studie basiert auf einer retrospektiven Analyse der Trainingsdaten aus der erfolgreichsten Saison von 17 Weltklasse-Skilangläufern (7♀, 10♂), die Medaillen bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gewonnen oder regelmäßig Podestplatzierungen im Weltcup erreicht hatten. Das Trainingsjahr wurde in Vorbereitungs- (GP; Mai–Oktober) und Wettkampfperiode (CP; November–April) unterteilt.

Erfasst wurden Trainingsdauer, Intensität und Trainingsmittel. Die Intensität wurde in niedrigintensives Training (LIT), moderat-intensives Training (MIT) und hochintensives Training (HIT) eingeteilt. Als Trainingsmittel wurden unter anderem klassischer Skilanglauf, Skating, Laufen, Radfahren und Rudern erfasst. Zusätzlich wurde zwischen spezifischen Trainingsmitteln, semispezifischen Trainingsmitteln und unspezifischen Trainingsmitteln unterschieden. Spezifische Trainingsmittel beziehen sich auf Skilanglauf auf Schnee, semispezifische Trainingsmittel auf Rollski. Zur Analyse der Trainingsvariation wurde die Mode Monotony berechnet. Sie beschreibt den prozentualen Anteil des am häufigsten genutzten Trainingsmittels an der gesamten Trainingszeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Wenn beispielsweise in einer Woche 10 Stunden trainiert werden und davon 7 Stunden auf Laufen sowie 3 Stunden auf Radfahren entfallen, beträgt die Mode Monotony 70 %. Ein höherer Wert zeigt somit eine stärkere Konzentration auf ein einzelnes Trainingsmittel, während ein niedrigerer Wert auf eine größere Variation der Trainingsmittel hinweist. Zusätzlich wurden die zeitlichen Abstände zwischen Einheiten desselben Trainingsmittels sowie zwischen intensiven Einheiten desselben Trainingsmittels untersucht.

 

Ergebnisse

Die Analyse umfasste insgesamt 13.285 Stunden und 8.710 Ausdauereinheiten. Die Verteilung der Trainingsmittel zeigte eine Kombination aus spezifischen, semispezifischen und unspezifischen Trainingsmittel.

Die durchschnittliche Mode Monotony lag monatlich bei 41 % (GP) bzw. 47 % (CP) und wöchentlich bei 48 % (GP) bzw. 55 % (CP). Dabei zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Trainingsbelastung und Monotony (r = −0,5), sodass bei höherer Trainingsbelastung eine größere Variation an Trainingsmitteln eingesetzt wurde.

Einheiten desselben Trainingsmittels wurden im Durchschnitt nach 2 Tagen (GP) bzw. 3 Tagen (CP) wiederholt. Intensive Einheiten desselben Trainingsmittels traten deutlich seltener auf, mit Abständen von etwa 10 Tagen (GP) bzw. 8 Tagen (CP).

In der GP wurde der gleiche Modus bei 47 % der intensiven Einheiten bereits am Vortag angewendet und bei 30 % am Folgetag. In der CP lagen diese Werte bei 59 % (Vortag) bzw. 45 % (Folgetag).

Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass Weltklasse-Skilangläufer ihre Trainingsmittel gezielt variieren, während der Gesamtumfang an spezifischem Training (klassisch und Skating) über das Jahr hinweg weitgehend konstant bleibt. Zusätzliche Trainingsumfänge in der GP werden vor allem durch unspezifische Trainingsmittel wie Laufen, Radfahren oder Rudern realisiert (Cross-Training). Gleichzeitig wird spezifisches Training auf Schnee in der GP größtenteils durch semispezifisches Training auf Rollski ersetzt. Dies deutet darauf hin, dass unspezifische Trainingsmittel zur Erweiterung des Trainingsumfangs beitragen und möglicherweise helfen, Überlastungsrisiken zu reduzieren [5,6].

Die Mode Monotony lag insgesamt im moderaten Bereich und war in der CP (47%) höher als in der GP (41%). Dies spricht für eine zunehmende Spezifität der Trainingsmittel im Saisonverlauf. Gleichzeitig zeigte sich eine negative Beziehung zwischen Trainingsbelastung und Monotony (r = −0,5), was darauf hindeutet, dass bei höherer Trainingsbelastung gezielt eine größere Variation im Trainingsprozess eingesetzt wird. Dies unterstreicht die Bedeutung von Variation als grundlegendes Trainingsprinzip im Belastungsmanagement [2].

Die zeitliche Organisation der Trainingsmittel war durch kurze Abstände zwischen Einheiten desselben Modus geprägt (meist 1–3 Tage), was auf eine hohe Wiederholungsfrequenz hinweist. Intensive Einheiten desselben Trainingsmittels wurden dagegen seltener wiederholt und lagen meist mehrere Tage auseinander (≥ 14 Tage), was auf eine gezielte Steuerung spezifischer Trainingsreize schließen lässt. Diese Struktur steht im Einklang mit bekannten Trainingsmodellen und typischen Session-Designs im Ausdauersport [4,8].

Insgesamt zeigt sich ein dynamisches Trainingssystem, in dem Trainingsmittel gezielt zur Steuerung von Belastung und Spezifität eingesetzt werden. Die Kombination aus hoher Variation bei hohen Trainingsbelastungen und zunehmender Spezifität in der Wettkampfperiode scheint dabei zentral für eine effektive Trainingsorganisation zu sein.

 

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "The Role of Exercise-Mode Variation in Daily Load Management Among World-Class Cross-Country Skiers", die 2025 im "International Journal of Sports Physiology and Performance" veröffentlicht wurde.

Quellen

Walther, J., Kocbach, J., & Sandbakk, Ø. (2025). The Role of Exercise-Mode Variation in Daily Load Management Among World-Class Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 20(8), 1060–1067. doi.org/10.1123/ijspp.2025-0069

[1] Rønnestad, B. R., Rømer, T., & Hansen, J. (2020). Increasing Oxygen Uptake in Well-Trained Cross-Country Skiers During Work Intervals With a Fast Start. International Journal of Sports Physiology and Performance, 15(3), 383–389. doi.org/10.1123/ijspp.2018-0360

[2] Sandbakk, Ø., Haugen, T., & Ettema, G. (2021). The Influence of Exercise Modality on Training Load Management. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(4), 605–608. doi.org/10.1123/ijspp.2021-0022

[3] Sandbakk, Ø., & Holmberg, H.-C. (2017). Physiological Capacity and Training Routines of Elite Cross-Country Skiers: Approaching the Upper Limits of Human Endurance. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12(8), 1003–1011. doi.org/10.1123/ijspp.2016-0749

[4] Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2017). The Training Characteristics of the World’s Most Successful Female Cross-Country Skier. Frontiers in Physiology, 8, 1069. doi.org/10.3389/fphys.2017.01069

[5] Stöggl, T., Lindinger, S., & Müller, E. (2007). Evaluation of an Upper-Body Strength Test for the Cross-Country Skiing Sprint. Medicine & Science in Sports & Exercise, 39(7), 1160–1169. doi.org/10.1249/mss.0b013e3180537201

[6] Stöggl, T., Müller, E., Ainegren, M., & Holmberg, H. ‐C. (2011). General strength and kinetics: Fundamental to sprinting faster in cross country skiing? Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 21(6), 791–803. doi.org/10.1111/j.1600-0838.2009.01078.x

[7] Talsnes, R. K., Nordgården, S., Kocbach, J., & Solli, G. S. (2022). One Long Versus 2 Short Sessions? Physiological and Perceptual Responses to Low-Intensity Training at Self-Selected Speeds in Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 17(11), 1590–1598. doi.org/10.1123/ijspp.2022-0212

[8] Tønnessen, E., Sylta, Ø., Haugen, T. A., Hem, E., Svendsen, I. S., & Seiler, S. (2014). The Road to Gold: Training and Peaking Characteristics in the Year Prior to a Gold Medal Endurance Performance. PLoS ONE, 9(7), e101796. doi.org/10.1371/journal.pone.0101796

[9] Walther, J., Haugen, T., Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2023). From juniors to seniors: Changes in training characteristics and aerobic power in 17 world-class cross-country skiers. Frontiers in Physiology, 14, 1288606. doi.org/10.3389/fphys.2023.1288606

 

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