Zusammenhang zwischen Kraftfähigkeiten und Wettkampfleistung im Skilanglauf
Von Carlos Lang
Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Maximal- und Explosivkraft und der Wettkampfleistung von 59 hochtrainierten Skilangläuferinnen und Skilangläufern. Das Leistungsniveau reichte von nationaler Ebene bis zur Weltklasse. Die Kraftfähigkeiten wurden beim Seated Pulldown, Triceps Pulldown und Half Squat erfasst und mit der Wettkampfleistung in unterschiedlichen Rennformaten und auf verschiedenen Streckenprofilen in Beziehung gesetzt.
Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Maximalkraft des Oberkörpers mit besseren Wettkampfergebnissen verbunden war. Die stärksten Zusammenhänge traten im Sprint und bei Kurzdistanzen bis zehn Kilometer auf. Auf flacheren Strecken waren sie stärker ausgeprägt als auf bergigen Strecken. Bei Wettkämpfen über mehr als zehn Kilometer zeigten sich dagegen keine statistisch gesicherten Zusammenhänge zwischen den gemessenen Kraftwerten und der Wettkampfleistung. Insgesamt waren die Zusammenhänge bei Männern stärker als bei Frauen. Die Explosivkraft war insgesamt schwächer mit der Wettkampfleistung verbunden.

Bedeutung der Maximal- und Explosivkraft des Ober- und Unterkörpers für unterschiedliche Wettkampfdistanzen und Streckenprofile
- Die Maximalkraft zeigte stärkere Zusammenhänge mit der Wettkampfleistung als die Explosivkraft
- Maximalkraftwerte des Oberkörpers wiesen stärkere Zusammenhänge mit der Wettkampfleistung auf als die des Unterkörpers
- Die Zusammenhänge waren bei Männern insgesamt ausgeprägter als bei Frauen
- Bei Sprint- und Kurzdistanzwettkämpfen zeigten sich Zusammenhänge zwischen Maximalkraft und Wettkampfleistung, die auf flacheren Strecken stärker ausfielen
- Bei Langdistanzwettkämpfen über zehn Kilometer zeigten sich keine statistisch gesicherten Zusammenhänge zwischen den gemessenen Kraftwerten und der Wettkampfleistung
Einleitung
Skilanglauf ist eine Ganzkörper-Ausdauersportart mit sehr unterschiedlichen Wettkampfanforderungen. Die Distanzen reichen von etwa 1,5 Kilometern im Sprint bis zu 50 Kilometern in Distanzrennen. Gleichzeitig unterscheiden sich die Strecken deutlich hinsichtlich Höhenprofil, Geschwindigkeit und eingesetzter Lauftechnik. Während in steilen Anstiegen häufig langsamere und stärker beinbetonte Techniken eingesetzt werden, gewinnen auf flachen Abschnitten hohe Geschwindigkeiten und oberkörperbetonte Techniken wie Doppelstock und die Skating-1-1-Technik an Bedeutung [1, 2].
Mit den gestiegenen Wettkampfgeschwindigkeiten über die letzten Jahre haben auch die neuromuskulären Anforderungen zugenommen. Bei hohen Geschwindigkeiten steht teilweise nur sehr wenig Zeit zur Kraftübertragung über Stöcke und Ski zur Verfügung. Neben einer gut entwickelten Ausdauerleistungsfähigkeit benötigen Skilangläufer daher ausreichend Kraft und die Fähigkeit, diese schnell einzusetzen [2].
Frühere Studien zeigten bereits Zusammenhänge zwischen der Oberkörperkraft und kurzen Doppelstockbelastungen. Krafttrainingsinterventionen konnten zudem die Bewegungsökonomie und verschiedene leistungsrelevante Parameter verbessern [3-6]. Die meisten bisherigen Untersuchungen wurden jedoch unter kontrollierten Laborbedingungen oder mit kurzen, simulierten Belastungen durchgeführt. Die Übertragung auf tatsächliche Wettkämpfe mit unterschiedlichen Distanzen und Streckenprofilen war bisher nur unzureichend untersucht.
Ziel der Studie war es deshalb, die Zusammenhänge zwischen Maximal- und Explosivkraft des Ober- und Unterkörpers und der realen Wettkampfleistung im Skilanglauf zu untersuchen. Dabei wurden Geschlecht, Wettkampfdistanz und Höhenprofil differenziert betrachtet.
Methoden
An der Studie nahmen 59 Skilangläuferinnen und Skilangläufer teil, darunter 27 Frauen und 32 Männer. Das mittlere Alter lag bei etwa 21 Jahren. Alle Teilnehmenden gehörten einem deutschen Regional- oder Nationalkader an und hatten in der Saison 2024/2025 an offiziellen FIS-Rennen teilgenommen.
Die Krafttests fanden Anfang März 2025 statt, etwa sieben bis zehn Tage nach den wichtigsten Saisonhöhepunkten. Alle Athleten absolvierten am selben Tag drei Übungen:
- Seated Pulldown
- Triceps Pulldown
- Half Squat

In jeder Übung wurden die Maximalkraft und die Explosivkraft bestimmt. Die Maximalkraft wurde als Einwiederholungsmaximum (1RM) erfasst. Sie beschreibt das höchste Gewicht, das einmal mit korrekter Technik bewegt werden kann.
Während der Krafttests wurde zusätzlich die Bewegungsgeschwindigkeit gemessen. Aus dem Verhältnis zwischen bewegtem Gewicht und Bewegungsgeschwindigkeit berechneten die Forschenden die höchste mittlere konzentrische Leistung (Pmax). Dieser Wert wurde als Maß für die Explosivkraft verwendet.
Die Wettkampfleistung wurde anhand der FIS-Punkte aus der Saison 2024/2025 bewertet. Niedrigere FIS-Punkte entsprechen einer besseren Wettkampfleistung. Insgesamt wurden 963 Einzelergebnisse aus 142 Rennen analysiert. Die Ergebnisse wurden in folgende Kategorien eingeteilt:
- Sprintrennen
- Kurzdistanzen bis einschließlich zehn Kilometer
- Langdistanzen über zehn Kilometer
Die Distanzrennen wurden zusätzlich anhand der Höhenmeter pro Kilometer in flachere und bergigere Strecken unterteilt. Für jede Kategorie wurden die jeweils drei besten Wettkampfergebnisse eines Athleten berücksichtigt. Die statistische Auswertung erfolgte getrennt nach Männern und Frauen.
Ergebnisse
Durchschnittlich gemessene Maximalkraft und Explosivkraft
Die Männer erreichten in allen drei Übungen höhere absolute Kraft- und Leistungswerte als die Frauen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die gerundeten Mittelwerte.
| Maximalkraft |
| Explosivkraft | ||
Übung | Frauen | Männer |
| Frauen | Männer |
Seated Pulldown | 30,1 kg | 44,2 kg |
| 285 W | 420 W |
Triceps Pulldown | 25,3 kg | 38,0 kg |
| 202 W | 298 W |
Half Squat | 83,1 kg | 122,8 kg |
| 366 W | 577 W |
1RM = Einwiederholungsmaximum. Pmax = höchste mittlere konzentrische Leistung
Maximalkraft und Körperregion
Über alle Rennformate hinweg zeigte die Maximalkraft stärkere Zusammenhänge mit der Wettkampfleistung als die Explosivkraft. Abhängig von der Übung erklärte sie bei den Männern 18 bis 29 % und bei den Frauen 16 bis 17 % der Leistungsunterschiede.
Die stärksten Zusammenhänge wurden beim Seated Pulldown festgestellt. Im Sprint erklärte dessen Maximalkraft 57 % der Leistungsunterschiede bei den Männern und 31 % bei den Frauen. Beim Triceps Pulldown und Half Squat fielen die Zusammenhänge geringer aus. Die Explosivkraft war vor allem bei Männern, bei Oberkörperübungen und in kürzeren Rennen mit der Wettkampfleistung verbunden.
Renndistanz und Streckenprofil
Bei Kurzdistanzen bis zehn Kilometer erklärte die Maximalkraft beim Seated Pulldown 20 % der Leistungsunterschiede bei den Männern und 14 % bei den Frauen. Bei Langdistanzen über zehn Kilometer zeigten sich keine statistisch gesicherten Zusammenhänge.
Auch das Streckenprofil beeinflusste die Ergebnisse. Auf flacheren Kurzdistanzen waren die Zusammenhänge stärker als auf bergigeren Strecken. Beim Seated Pulldown lagen sie bei 34 gegenüber 17 % bei den Männern und bei 14 gegenüber 11 % bei den Frauen.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Kraftfähigkeiten und Wettkampfleistung stark vom Rennformat abhängt. Am deutlichsten war er in Sprintrennen, schwächer bei Distanzen bis zehn Kilometer und bei längeren Rennen nicht mehr nachweisbar. Frühere Untersuchungen zeigten ebenfalls, dass die Bedeutung der Kraft mit zunehmender Belastungsdauer abnimmt, während Faktoren wie die maximale Sauerstoffaufnahme wichtiger werden. Auch Krafttraining verbesserte kurze Doppelstockbelastungen stärker als längere Rollski-Zeitfahren [4, 5].
Erstmals wurde außerdem der Einfluss des Streckenprofils berücksichtigt. Auf flacheren Strecken waren die Kraftwerte enger mit der Wettkampfleistung verbunden als auf Strecken mit größeren Höhenunterschieden. Eine mögliche Erklärung sind die höheren Geschwindigkeiten und kürzeren Kontaktzeiten auf flachen Abschnitten. In Anstiegen steht mehr Zeit für die Kraftübertragung zur Verfügung. Zudem werden dort häufiger Diagonalschritt und die Skating-2-1-Technik eingesetzt, bei denen Ober- und Unterkörper weniger gleichzeitig arbeiten und geringere Spitzenkräfte auftreten [2].
Von den untersuchten Kraftfähigkeiten zeigte die Maximalkraft die stärksten Zusammenhänge mit der Wettkampfleistung. Die Explosivkraft erklärte einen geringeren Anteil der Leistungsunterschiede und war vor allem bei den Männern, in den Oberkörpertests sowie im Sprint und auf Kurzdistanzen relevant. Bei hohen Geschwindigkeiten bleibt eine schnelle Kraftentwicklung dennoch bedeutsam, da nur wenig Zeit für die Kraftübertragung über Stöcke und Ski zur Verfügung steht. Insgesamt erscheint eine hohe Maximalkraft als bedeutendere neuromuskuläre Grundlage der Wettkampfleistung [3, 7].
Besonders deutlich wurde dies beim Seated Pulldown. Dessen Kraftwerte waren stärker mit der Wettkampfleistung verbunden als die Werte im Triceps Pulldown und Half Squat. Der Seated Pulldown beansprucht neben der Schulter- und Rückenmuskulatur auch den Rumpf und ähnelt damit der Kraftübertragung beim Doppelstockschub und in der Skating-1-1-Technik. Die bei der komplexen Oberkörper-Zugbewegung gemessene Kraft war stärker mit der Wettkampfleistung verbunden als die isolierte gemessene Armkraft.Beinkraft war zwar relevant, hing aber weniger stark mit der Wettkampfleistung zusammen als die Oberkörperkraft.
Bei den Männern waren die Zusammenhänge zwischen Oberkörperkraft und Wettkampfleistung stärker ausgeprägt als bei den Frauen. Dies könnte auf bis zu 50 % höheren Oberkörperkraftwerte, höhere Wettkampfgeschwindigkeiten und den häufigeren Einsatz oberkörperbetonter Techniken zurückgeführt werden. Bei den Frauen könnten die aerobe Leistungsfähigkeit, die Technik und beinbetonte Bewegungsformen einen größeren Anteil der Leistungsunterschiede erklären [8, 9].
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die besondere Bedeutung der maximalen Oberkörperkraft. Ihr Einfluss ist jedoch nicht in jedem Rennen gleich, sondern hängt von Renndistanz, Streckenprofil und Geschlecht ab.
- Die Entwicklung der Kraftfähigkeiten sollte am individuellen Kraftprofil und am priorisierten Wettkampfformat ausgerichtet werden.
Für Sprint- und Kurzdistanzen bis zehn Kilometer
- Die allgemeine Oberkörperkraft kann stärker priorisiert werden als isolierte Armkraft
- Die Entwicklung der Maximalkraft sollte stärker fokussiert werden als die der Explosivkraft
- Explosivkrafttraining kann ergänzend eingesetzt werden, insbesondere wenn hohe Geschwindigkeiten und kurze Kraftübertragungszeiten entscheidend sind
- Auf flachen Strecken besitzt die Oberkörperkraft wahrscheinlich eine größere Bedeutung als auf bergigen Strecken
- Die Unterkörperkraft sollte trotz der schwächeren Zusammenhänge nicht vernachlässigt werden
Für Langdistanzen über zehn Kilometer
- Höhere Maximal- und Explosivkraftwerte waren in dieser Studie nicht mit besseren Wettkampfergebnissen verbunden
Die gemessenen Gruppenmittelwerte sind keine allgemeingültigen Zielwerte. Entscheidend ist, wie sich die individuellen Kraftfähigkeiten im Verhältnis zum Leistungsniveau, zum Geschlecht, zur Technik und zum angestrebten Wettkampfformat entwickeln.
Quellen
Walther, J., Kocbach, J., & Sandbakk, Ø. (2025). The Role of Exercise-Mode Variation in Daily Load Management Among World-Class Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 20(8), 1060–1067. doi.org/10.1123/ijspp.2025-0069
[1] Rønnestad, B. R., Rømer, T., & Hansen, J. (2020). Increasing Oxygen Uptake in Well-Trained Cross-Country Skiers During Work Intervals With a Fast Start. International Journal of Sports Physiology and Performance, 15(3), 383–389. doi.org/10.1123/ijspp.2018-0360
[2] Sandbakk, Ø., Haugen, T., & Ettema, G. (2021). The Influence of Exercise Modality on Training Load Management. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(4), 605–608. doi.org/10.1123/ijspp.2021-0022
[3] Sandbakk, Ø., & Holmberg, H.-C. (2017). Physiological Capacity and Training Routines of Elite Cross-Country Skiers: Approaching the Upper Limits of Human Endurance. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12(8), 1003–1011. doi.org/10.1123/ijspp.2016-0749
[4] Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2017). The Training Characteristics of the World’s Most Successful Female Cross-Country Skier. Frontiers in Physiology, 8, 1069. doi.org/10.3389/fphys.2017.01069
[5] Stöggl, T., Lindinger, S., & Müller, E. (2007). Evaluation of an Upper-Body Strength Test for the Cross-Country Skiing Sprint. Medicine & Science in Sports & Exercise, 39(7), 1160–1169. doi.org/10.1249/mss.0b013e3180537201
[6] Stöggl, T., Müller, E., Ainegren, M., & Holmberg, H. ‐C. (2011). General strength and kinetics: Fundamental to sprinting faster in cross country skiing? Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 21(6), 791–803. doi.org/10.1111/j.1600-0838.2009.01078.x
[7] Talsnes, R. K., Nordgården, S., Kocbach, J., & Solli, G. S. (2022). One Long Versus 2 Short Sessions? Physiological and Perceptual Responses to Low-Intensity Training at Self-Selected Speeds in Cross-Country Skiers. International Journal of Sports Physiology and Performance, 17(11), 1590–1598. doi.org/10.1123/ijspp.2022-0212
[8] Tønnessen, E., Sylta, Ø., Haugen, T. A., Hem, E., Svendsen, I. S., & Seiler, S. (2014). The Road to Gold: Training and Peaking Characteristics in the Year Prior to a Gold Medal Endurance Performance. PLoS ONE, 9(7), e101796. doi.org/10.1371/journal.pone.0101796
[9] Walther, J., Haugen, T., Solli, G. S., Tønnessen, E., & Sandbakk, Ø. (2023). From juniors to seniors: Changes in training characteristics and aerobic power in 17 world-class cross-country skiers. Frontiers in Physiology, 14, 1288606. doi.org/10.3389/fphys.2023.1288606
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