Kann Hitzetraining die Hämoglobinmasse nach dem Höhentraining aufrechterhalten?
Von Matthias Graf
Diese Studie untersuchte die Effekte eines 3.5-wöchigen Hitzetrainings im Anschluss an ein 3-wöchiges Höhentrainingslager auf die Hämoglobinmasse. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Profiradsportler. Durch das Höhentrainingslager konnte die Hämoglobinmasse um 3.5-5% gesteigert werden. Diese konnte jedoch nur durch ein Hitzetraining mit entsprechendem Hitzeanzug aufrechterhalten werden. Die Kontrollgruppe verlor 71 % der Steigerung der Hämoglobinmasse. Das Plasmavolumen konnte zwar in beiden Gruppen gesteigert werden, jedoch lag am Ende der 3.5-wöchigen Trainingsperiode ein sechsprozentig höheres Plasmavolumen in der Hitzetrainingsgruppe vor. Dadurch konnte nur in dieser Gruppe das Blutvolumen gesteigert werden, was eine positive Leistungsentwicklung verspricht.

Eine 3.5-wöchige Untersuchung bei Profiradsportlern nach einem Höhenblock
- Nur das Hitzetraining kann die gewonnene Hämoglobinmasse (+3.5-5%) aus dem Höhentraining konservieren
- Ohne Hitzetraining sind nach 3.5 Wochen 71 % dieser Steigerung wieder verloren
- Plasmavolumen kann stärker durch das Hitzetraining gesteigert werden
- Trainingsverteilung und subjektives Belastungsempfinden sind durch diese Intervention nicht verändert
Einleitung
Mithilfe eines Höhentrainingslagers soll die Hämoglobinmasse (Hbmass) – durch die Stimulierung der hypoxie-induzierenden Faktoren 1 und 2 (HIF-1/2α) und mit der durch Erythropoetin (EPO) bedingten Stimulation der Erythropoese – vergrößert werden [3, 11]. Eine Höhe von 2300 – 2500 m liefert die optimalen Bedingungen zur Steigerung der Hbmass [10]. Diese Höhenlagen sind einerseits in Europa jedoch schwierig zu finden und andererseits liefern sie oftmals keine gute Möglichkeit zur hohen Trainingsqualität. Deswegen werden Höhentrainingslager oftmals auf ca. 2000 m durchgeführt. Auf dieser Höhe konnten jedoch nicht alle Studien eine Steigerung der Hbmass nachweisen [7]. Ein weiteres Problem ist, dass die erzielte Steigerung eher kurzfristig auf Meereshöhe anhält und mindestens der Großteil der Hb-Massensteigerung nach 11 – 24 Tagen wieder verloren ist [4, 9]. In letzter Zeit gab es zudem Studien, die gezeigt haben, dass mit einem Hitzetraining die Hbmass ebenfalls gesteigert wird (siehe: Hitzetraining - Vorstellung des aktuellen Trends im Leistungssport - Deutscher Skiverband - Biathlonwissen). Bei einem solchen Ansatz kommt es zuerst zu einer Steigerung des Plasmavolumens, verbunden mit einer Reduktion des Hämatokrits. Im Anschluss wird davon ausgegangen, dass die Hbmass gesteigert wird, da es zu einer Art Gegenregulierung durch die Stimulierung von EPO durch die Niere kommt [1]. In dem verlinkten Artikel von unserer Website konnte gezeigt werden, dass mit einem 5-wöchigen Hitzetraining die Hbmass in Profilangläufer*innen und Radfahrern gesteigert werden konnte. Zudem konnte die Hbmass aufrechterhalten werden, wenn für drei Wochen die Anzahl der Hitzetrainings von fünf auf drei reduziert wurde. Aus diesem Grund wurde in dieser Studie die Veränderung der Hämoglobinmasse nach einem dreiwöchigen Höhentrainingsblock untersucht. Hierfür wurde in zwei Gruppen entweder für 3.5 Wochen ein Hitzetraining oder ein entsprechendes Training ohne Hitzeeinfluss durchgeführt.
Methoden
18 männliche Profiradsportler (VO2max 76 ±4.8 mL*min-1*kg-1) wurden für diese Studie rekrutiert. Alle Teilnehmer führten als Erstes ein dreiwöchiges Höhentrainingslager in Livigno durch (2100 m). Alle Einheiten wurden auf einer Höhe zwischen 1800 – 2200 durchgeführt und entsprechen somit dem live high-train high Ansatz [8]. Nach dem Höhentrainingslager wurde für 3.5 Wochen entweder in eine Hitzetrainings- (HEAT) und eine Kontrollgruppe (CON) eingeteilt. Während des Höhentrainingslagers wurde derselbe Trainingsplan durchgeführt und in der folgenden Phase ebenfalls, mit der Ausnahme, dass die Hitzegruppe 150 Min. Grundlagentraining abzog und dieses in 3 Einheiten je 50 Min. als Hitzetraining absolvierte. Diese Einheiten wurden mit einem Hitzeanzug bestehend aus Wollunterwäsche, Wollmütze, Daunenjacke, Regenjacke und -hose bei ~20 °C auf dem Heimrollentrainer durchgeführt. Über diese 50 Min. sollten 500 mL Wasser getrunken werden. Die Einheit wurde als low-intensity Training durchgeführt. Am Ende der Einheit sollten eine Rektaltemperatur von ~38.5 °C und ein Wasserverlust von mindestens 1.5 L erreicht werden. Im Anschluss sollte rehydriert werden, bis eine hellgelbe Urinfarbe erreicht wurde.
Ergebnisse
Durch das Höhentrainingslager konnte die Hbmass um 4.1% ±0.1, das rote Blutzellenvolumen um 3.0% ±6.2 und der Hämatokrit um 6.6% ±5.4 gesteigert werden. Auf der anderen Seite verringerte sich das Plasmavolumen um 8.7% ±7.5 und das Blutvolumen um 3.4% ±5.0. Das Körpergewicht ist über das Höhentrainingslager stabil geblieben.
Das Trainingsvolumen, die Trainingsverteilung sowie die subjektive Trainingsbelastung waren zwischen beiden Gruppen in den folgenden 3.5 Wochen gleich. Mit dem Hitzetraining konnte in den 3.5 Wochen die Hbmass (0.2% ±18.1) und das rote Blutzellenvolumen (-0.3% ±19.6) aufrechterhalten werden, wohingegen die Hbmass in der Kontrollgruppe um 3.3% ±4.3 und das rote Blutzellenvolumen um 2.9% ±15.2 abgenommen hat. Mit dem Hitzetraining konnten sowohl das Plasmavolumen um 11.6% ± 10.4 als auch das Blutvolumen um 5.8% ± 23.8 gesteigert werden. Die Kontrollgruppe erhöhte zwar ebenfalls das Plasmavolumen leicht um 5.5% ±4.3, jedoch blieb das Blutvolumen unverändert. Der Hämatokrit sank in beiden Gruppen nach der Trainingsperiode um ca. 5%.
Diskussion
Diese Studie konnte erstmals zeigen, dass mithilfe eines Hitzetrainings die Steigerung der Hbmass um weitere 3.5 Wochen aufrechterhalten werden kann. Die Kontrollgruppe unterlag dagegen nach 3.5 Wochen einer ungewollten Reduktion der Hbmass von 71 %. Auf Basis dieser Daten konnte gezeigt werden, dass schon der geringe Stimulus an Hitzetraining (3 Einheiten je 50 Min. für 3.5 Wochen) die gewollte Steigerung über mindestens diesen Zeitraum konservieren kann. Die Effekte des Hitzeanzuges sind zu vergleichen mit einer Studie, in welcher täglich 12 Stunden in normobarischer, simulierter Höhe von 2800 m verbracht wurde, um die Hbmass aufrechterhalten zu können [12]. Deshalb schlussfolgern die Autoren, dass es sich bei dem Hitzeanzug um eine kostengünstigere und einfacher durchführbare Methode handelt, um die Hbmass zu konservieren. Hierfür muss jedoch auf eine adäquate Thermoisolation und die richtige Intensität geachtet werden. Ebenfalls für das Hitzetraining spricht der Faktor, dass das subjektive Belastungsempfinden durch das Hitzetraining nicht unterschiedlich von der Kontrollgruppe war.
Obwohl beide Gruppen nach dem Höhentrainingslager das Plasmavolumen steigern konnten, war dieses in der Hitzegruppe um weitere 6% erhöht. Dadurch resultierte ein höheres Blutvolumen ausschließlich in der Hitzegruppe. Neben den Vorteilen eines verbesserten Sauerstofftransportes durch eine größere Hbmass liegen dadurch zusätzlich verbesserte Pufferkapazitäten des pH-Werts im Blut vor. CO2 kann durch die Bindung mit H+-Ionen an das Hämoglobin gebunden werden [6]. Ein erhöhtes Blutvolumen kann zudem förderlich für das Schlagvolumen und dadurch ein verbessertes Herzminutenvolumen sein [5]. Zudem hilft ein hohes Blutvolumen bei der Thermoregulation während langandauernder Belastungen [2].
Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Heat Suit Training Preserves the Increased Hemoglobin Mass after Altitude Camp in Elite Cyclists.", die 2025 im „Medicine and science in sports and exercise" veröffentlicht wurde.
Quellen
Bent R. Rønnestad, Ingvill Odden, Tomas Urianstad, Joar Hansen, Knut S. Mølmen, and Daniele A. Cardinale. 2025. Heat Suit Training Preserves the Increased Hemoglobin Mass after Altitude Camp in Elite Cyclists. Medicine and science in sports and exercise 57, 1, 81–87. DOI: doi.org/10.1249/MSS.0000000000003542
[1] S. Donnelly. 2001. Why is erythropoietin made in the kidney? The kidney functions as a critmeter. American journal of kidney diseases : the official journal of the National Kidney Foundation 38, 2, 415–425. DOI: doi.org/10.1053/ajkd.2001.26111.
[2] S. M. Grant, H. J. Green, S. M. Phillips, and J. R. Sutton. 1997. Effects of acute expansion of plasma volume on cardiovascular and thermal function during prolonged exercise. European journal of applied physiology and occupational physiology 76, 4, 356–362. DOI: doi.org/10.1007/s004210050261.
[3] Volker H. Haase. 2013. Regulation of erythropoiesis by hypoxia-inducible factors. Blood reviews 27, 1, 41–53. DOI: doi.org/10.1016/j.blre.2012.12.003.
[4] Marie Klein, Lars Kaestner, Anna Y. Bogdanova, Giampaolo Minetti, Silvia Rudloff, Carsten Lundby, Asya Makhro, Elena Seiler, Ankie van Cromvoirt, Simone Fenk, Greta Simionato, Laura Hertz, Steffen Recktenwald, Larissa Schäfer, Thomas Haider, Sebastian Fried, Christian Borsch, Hugo H. Marti, Anja Sander, and Heimo Mairbäurl. 2021. Absence of neocytolysis in humans returning from a 3-week high-altitude sojourn. Acta Physiologica 232, 3, e13647. DOI: doi.org/10.1111/apha.13647.
[5] C. Lundby, D. Montero, and M. Joyner. 2017. Biology of VO2 max: looking under the physiology lamp. Acta physiologica (Oxford, England) 220, 2, 218–228. DOI: doi.org/10.1111/apha.12827.
[6] Heimo Mairbäurl. 2013. Red blood cells in sports: effects of exercise and training on oxygen supply by red blood cells. Front. Physiol. 4, 332. DOI: doi.org/10.3389/fphys.2013.00332.
[7] P. Robach, J. Hansen, A. Pichon, A-K Meinild Lundby, S. Dandanell, G. Slettaløkken Falch, D. Hammarström, D. H. Pesta, C. Siebenmann, S. Keiser, P. Kérivel, J. E. Whist, B. R. Rønnestad, and C. Lundby. 2018. Hypobaric live high-train low does not improve aerobic performance more than live low-train low in cross-country skiers. Scandinavian journal of medicine & science in sports 28, 6, 1636–1652. DOI: doi.org/10.1111/sms.13075.
[8] Heikki K. Rusko, Heikki O. Tikkanen, and Juha E. Peltonen. 2004. Altitude and endurance training. Journal of sports sciences 22, 10, 928-44; discussion 945. DOI: doi.org/10.1080/02640410400005933.
[9] C. Siebenmann, A. Cathomen, M. Hug, S. Keiser, A. K. Lundby, M. P. Hilty, J. P. Goetze, P. Rasmussen, and C. Lundby. 2015. Hemoglobin mass and intravascular volume kinetics during and after exposure to 3,454-m altitude. J Appl Physiol 119, 10, 1194–1201. DOI: doi.org/10.1152/japplphysiol.01121.2014.
[10] Jon P. Wehrlin, Bernard Marti, and Jostein Hallén. 2016. Hemoglobin Mass and Aerobic Performance at Moderate Altitude in Elite Athletes. Advances in experimental medicine and biology 903, 357–374. DOI: doi.org/10.1007/978-1-4899-7678-9_24.
[11] Roland H. Wenger and Armin Kurtz. 2011. Erythropoietin. Comprehensive Physiology 1, 4, 1759–1794. DOI: doi.org/10.1002/cphy.c100075.
[12] Bing Yan, Xiaochuan Ge, Jiabei Yu, Yang Hu, and Olivier Girard. 2021. Hypoxic re-exposure retains hematological but not performance adaptations post-altitude training. European journal of applied physiology 121, 4, 1049–1059. DOI: doi.org/10.1007/s00421-020-04589-x.
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